Review

Artist: Lykke Li

Titel: I Never Learn

Lykke Li
„I Never Learn“
(Atlantic/Warner)
Vor knapp zwei Jahren fand sich Lykke Li überall dort wieder, wo sie eigentlich nie hin wollte: in Indie-Discos, im Formatradio, in Fernsehtrailern zur Fußball-Weltmeisterschaft. Schuld war der Belgier Stephen Fasano alias The Magician, der ihre ursprünglich waidwunde Ballade „I Follow Rivers“ zum einfältigen Piano-House-Stampfer umoperierte und der Schwedin immerhin einen Nummer-eins-Hit bescherte. Doch der Singer-Songwriterin geht es um mehr – auch auf ihrem dritten Album, das sie noch verletzlicher und in sich gekehrter zeigt als die Vorgänger „Youth Novels“ und „Wounded Rhymes“. In wenig mehr als einer halben Stunde schultert Lykke Li eine offenbar zentnerschwere Seelenlast so unerschrocken, dass es eine tränenreiche Freude ist. Zumindest für den Hörer – doch auch dem kann es bei Bekenntnissen wie „Heart Of Stone“ oder „Never Gonna Love Again“ ganz schwer ums Herz werden. Lediglich das mit Verzögerung in Wallung kommende „Gunshot“ trägt Züge früherer Songs wie „I’m Good I’m Gone“ oder „Get Some“, die auch ohne Remix Tanzflächen füllten. Das unbestrittene Highlight von „I Never Learn“ ist dort jedoch fehl am Platze: „Love Me Like I’m Not Made Of Stone“ beschwört zu verrauschter LoFi-Ästhetik die Liebe wie eine unerfüllbare Verheißung, die Stimme droht jeden Moment wegzukippen – doch Lykke Li beweist auch in diesem ergreifenden Hilferuf Größe und Stil wie in jedem Song dieses zutiefst emotionalen Albums. Hoffen wir, dass sie wirklich nie dazulernt.
Thomas Pilgrim

Veröffentlicht: 05/2014

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