Review

Artist: Justin Sullivan

Titel: Navigating By The Stars

Warte bis es dunkel wird. Zünde eine Kerze an. Lege „Navigating By The Stars“ ein. Und denke an den Ozean. Dann kommt sie herangespült, ganz langsam, diese eigentümliche Stimmung, die das erste offizielle Solo-Album von Justin Sullivan verbreitet. Man muß das so umständlich formulieren, weil Justin Sullivan schon vor acht Jahren mit Dave Blomberg ein live eingespieltes Akustik-Album aufgenommen hat, das aber nie wirklich in die Läden kam. Und im Vergleich zu den jüngsten Arbeiten klingt es nur wie Folk-Geschrammel, auch wenn es brillant ist. Nun aber erwarten den Fan stimmungsvoll arrangierte und orchestrierte Balladen, die an die „Marry The Sea“-EP erinnern und zumeist das gleiche Thema behandeln: Das Meer, die unendliche Weite, die offene See. Schon die erste Singleauskopplung, „Twilight Home“ dürfte die Erwartungen eines typischen Fans der New Model Army, bei der Justin ja nach wie vor singt, vollkommen unterlaufen. Ein Song über die Wonne des Heimkommens ÔÇô und viel mehr. Ein wenig Zeit muß man dieser Platte einräumen, bevor sie in Schwung kommt. Doch beim dritten Track, „Ocean Rising“, gewinnt sie die Fahrt, die einem Album über eine Naturgewalt gebührt. Nicht zuletzt die beiden neu hinzu gekommenen Musiker, der renommierte Arrangeur und Produzent Ty Unwin und der weltberühmte Bassist Danny Thompson, tragen dazu bei, daß trotz der Ruhe eine Menge neue Ideen Einzug in den Sound von Justin Sullivan gehalten haben. Ideen, die jedoch weder mit Rock, noch mit Punk oder Folk zu tun haben, sondern fast wie ein Film-Score wirken. Einer mit ü£berraschungen, denn es wurde auch eine neue Version von „Changing Of The Light“ untergebracht, die viel sehnsüchtiger klingt als alles, was man bisher live oder als Demo hören konnte ÔÇô wozu auch die schmachtende Mundharmonika von Mark Feltham beiträgt. Auch die Geige von Ed Alleyne Johnson ist oft zu vernehmen, aber in keiner Sekunde als die altbekannte Folk-Fiedel. Vielmehr schafft sie eine feierliche Stimmung, bis die Platte sich mit „Apocalypse Dream“ fast von selbst ausblendet wie ein flüchtiger, blauer Traum

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