Review
Artist: Ministry
Titel: Hate To Go (Take Out Or Delivery)
- Artist: Ministry
- Label/Vetrieb: Cleopatra Records
Das Abschiedsalbum der Industrial-Metal-Erfinder – wieder einmal. Doch alle Schwingungen und Äußerungen deuten darauf hin: Dieses Mal ist es endgültig soweit! Und wahrhaftig legen die wackeren Helden ein weiteres Brett vor: knallende Drums, nicht selten mit der Snare auf allen Vieren, quirlige Gitarrenriffs, Massen-Samples, typische Vocals zwischen Knarzen, Ächzen und Scream – obschon zuweilen mit weniger Effekten bedacht. Die erste Albumhälfte mag (diesen Hörer) noch nicht vollends überzeugen: Das Mischverhältnis zwischen Drums und Gitarren, die in der Tat etwas voluminöser hätten ausfallen können, begeistert nicht restlos. Die Single „We Hate“ sticht allerdings mit agitatorischem Zornes-Elan hervor. Die zweite Albumhälfte indes dreht auf! „Grifter“ zum Beispiel ist ein Half-Time-Monster sondergleichen: Herrlich düstere Atmosphären treffen auf ein schleppendes, schepperndes Songkonstrukt, das vollkommen mitreißt. „The White Man Lies“ kommt mit seinen Anklängen an Bluesrock untypisch, doch augenzwinkernd-abgefuckt daher; „The Singularity“ ist ein weiterer Half-Time-Hammer, welcher übrigens an die legendären Skrew erinnert, die ja den Ministry-Sound um 1991 herum mitbeeinflusst haben; der Abschlusssong „We’re Still Here“, den Ex-Ministry-Legende Paul Barker mitgestaltete, offenbart eine episch-melancholische Größe, die einem die Tränen in die Augen schießen lässt. Und fopp, beim nochmaligen Hören gewinnen auch früher platzierte Songs an Format, wie zum Beispiel der Endchorus des Openers „Crickets“. Alles in allem: ein würdevoller Abgang, ein freud- und schmerzvolles Lebewohl-Opus!
Myk Jung
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