CD-Rezension / Review / Kritik

Print

xtr human atavism

XTR Human
„Atavism“
(No Emb Blanc/Genetic)
Das Debütalbum der Stuttgarter Band könnte Anfang der 80er Jahre auf dem Factory Label erschienen sein, beständig schimmern auf „Atavism“ Joy Division als musikalische Überväter durch. Eiseskälte, Düsternis und Verzweiflung prägen das Werk, jeder Funke Hoffnung wird von tonnenschweren Basslinien erdrückt und spätestens wenn der Sänger seine durchaus wohlklingende Stimme erhebt und mit aus dem tiefsten Innern kommender Verzweiflung seine verstörenden Texte von sich gibt, ist selbst bei sommerlicher Hitze der eiskalte Hauch des Todes spürbar. Die sperrig-morbide instrumentale Soundcollage „Death Of A Salesman“, die sich auf das gleichnamige Theaterstück von Arthur Miller bezieht, eröffnet das Album. „Miller’s Love“ ist ebenfalls ein Tribut an diesen Autor. Depressiv, düster und eingängig schlägt dieser Song eine Brücke zur Vergangenheit, zu den von der Band geschätzten Werken von Joy Division und The Jesus And Mary Chain, von denen die noisigen Elemente inspiriert scheinen. Ein weiteres Highlight des Albums ist das dunkel-treibende „Torn Apart“, das Trauer tanzbar macht. Die Shoegaze- und Noise-Elemente lassen den Erstling von XTR Human zeitgemäß klingen. Ein großartiges Album!
Karin Hoog

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2014.

Wednesday the 18th.
2017 Sonic Seducer Magazin

©