CD-Rezension / Review / Kritik

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sophia as we make our way unkown harbours

Sophia
„As We Make Our Way (Unknown Harbours)“
(Flowershop Recordings/Edel)
Bei Sophia, der Ein-Mann-Band von Robin Proper-Sheppard, geht es selten erbaulich zu. „Technology Won’t Save Us“ etwa fußte 2006 anlässlich eines tragischen Todesfalls auf der Erkenntnis, dass auch moderne Kommunikationsmedien nicht in der Lage sind, Menschenleben zu retten, und „There Are No Goodbyes“ war ungeachtet des Titels ein bitteres Trennungsalbum. Und so wurde es nichts mit dem Mainstreamerfolg, der sich Mitte der Nuller mit dem kleinen Hit „Oh My Love“ zart angedeutet hatte. Doch der inzwischen in Brüssel lebende Amerikaner lässt auf seiner ersten Platte seit sieben Jahren nicht locker: Auch wenn „As We Make Our Way (Unknown Harbours)“ erneut jede Menge emotionalen Unrat verhandelt, fällt gelegentlich ein Sonnenstrahl auf balladeske Indie-Rock-Songs wie „The Drifter“ oder „Don’t Ask“, die von zwischenmenschlicher Unwägbarkeit, Schuldgefühlen und selbstgewählter Einsamkeit erzählen. Und es steht Proper-Sheppard gut, wenn er sich im steile Gitarrenwände hochfahrenden Rocker „Resisting“ oder beim Groover „St. Tropez / The Hustle“ locker macht und ein wenig mit dem Allerwertesten wackelt. Ein bezauberndes Album, von dessen freundlicher Grundhaltung sich der geistesverwandte, aber ungleich zynischere Sun Kil Moon-Griesgram Mark Kozelek ruhig mal eine Scheibe abschneiden könnte. Und vielleicht steht der nächste kleine Hit für Sophia ja bereits vor der Tür.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2016.

Tuesday the 22nd.
2017 Sonic Seducer Magazin

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