CD-Rezension / Review / Kritik

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Ferndal Ferndal CD Cover

Ferndal „Ferndal“

(Einheit Produktionen/Soulfood)
Ursprünglich sollte es Pagan-Metal werden. Dann entwickelte sich die Musik der Band aber doch in eine ganz andere Richtung. Fast möchte man sagen: zum Glück. Was das Quintett aus dem Münsterland auf seinem Debüt zelebriert, ist nämlich einigermaßen atemberaubend. Statt Black Metal mit neoklassischen Einschüben zu unterlegen, führen Ferndal Klassik und schwarzen Furor als gleichberechtigte Partner zusammen, die sich im Höllengrund (so etwa lässt sich der Bandname übersetzen) umkreisen und durchdringen. Dabei entstehen wahre Epen wie „Ungelebtes Leben“, das von melodischen Gitarren über rasanten Mattenschwingerstoff bis zum kontemplativen Orgelpart die unterschiedlichsten Passagen vereint. Das kann durchaus neun Minuten in Anspruch nehmen. Dank ausgefuchster Dramaturgie vergehen diese aber wie im Fluge. Das Faszinosum an Ferndal ist, dass die Band Klassik nicht nur nachempfindet, sondern glaubwürdig kreiert. Wenn ein „Klavierquintett in g-moll“ angekündigt wird, dann darf man das wörtlich nehmen. Hier zahlt sich der fundierte musikalische Hintergrund von Cellistin Lestaya aus. Der Wohlklang ebnet allerdings nie die Ecken und Kanten der rauen Metal-Attacken ein, obwohl auch in amtlichem Geballer wie dem Einstieg zu „In die Freiheit“ Melodien erkennbar bleiben. Frischlinge sind die Musiker übrigens nicht: Drummer Alboin und Gitarrist Abarus etwa sind bei EÏS aktiv. Musikalische Qualität, Lyrics fern abgenudelter Klischees und eigene Visionen: Dieser Einstand ist eine Wucht!
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2017
Wednesday the 18th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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