CD-Rezension / Review / Kritik

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friedrich frieden peace and prost-2014

Friedrich Frieden
„Peace und Prost“
(Friedrich Frieden/Phonector)
Lust auf eine Antithese? Wie diese zum Beispiel: Friedrich Frieden bläst zum Angriff? Der Pazifismus mag beim Bietigheim-Bissinger, der sich mit Melone, vermummtem Gesicht und Spazierstock präsentiert, im Namen festgeschrieben sein – auf diesem Album aber geht die Ein-Mann-Band aufs Ganze. Mit zwei CDs, die Friedrich Frieden in gut 90 Minuten als abwechselnd geistreichen, grenzdebilen und kontemplativen Lyriker und Sänger zeigen. Und der Mann hat einiges zu sagen: Er setzt sich für die „Weltkulturfusion“ ein, durchschreitet „Gesprengte Wahrnehmungspforten“ oder schwebt durch die „Frau Mama Galaxie“ und untermalt das mit spitzer, halbakustischer Instrumentierung, die sich nacheinander bei Neo-Folk, quengeligem Indie und verquerem Psychedelic Rock bedient. Und wie der Titel „Ausdruck und Authentizität“ nahelegt, wird beides auf „Peace und Prost“ großgeschrieben. Vor allem in Songs wie „Gott und der Tod“ oder „Der elend eilends reitet“, die klingen, als würden düster-expressionistische Textkünstler vom Schlage Oswald Henke oder Sven Rebentisch mit frühen Punkrock-Bands der Beton-Ära eine ausgedehnte Jamsession hinlegen. Aber Friedrich Frieden spielt nicht nur zur „Zockerpolka“ auf und wandelt „Hallelujah“ rufend durch die „Straßen von Berlin“ – als nächstes stehen selbstverfasste Lyrikbände sowie mehrere Hörbücher mit Texten von Friedrich Nietzsche auf dem Programm. Doch keine Sorge: Friedrich kommt in Frieden.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2014.


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