CD-Rezension / Review / Kritik

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thot the city that disappears

Thot

„The City That Disappears”
(Black Basset Records)
Hinter diesem Projekt steht der belgische Musiker Grégoire Fray, der im Alleingang dieses Werk der außergewöhnlichen, unbedingt individuellen und aufregenden Klanggestaltung erschaffen hat. Die Songs auf „The City That Disappears“ sind erfüllt von einer Leidenschaft, einer Dynamik, einer kompromisslosen Emotionalität – um nicht zu sagen: Obsession – dass der Hörgenuss den unbedarft Horchenden umzublasen droht. Leise, intime, fragile Passagen voller unwiderstehlicher Melodieführungen werden immer wieder durch geniale Schritte von langsamem Crescendo in eine wilde, exzessiv gestaltete atmosphärische Dichte verwandelt; solchermaßen wandeln die Songs mit traumhafter Sicherheit und unerwartbaren Wendungen von kärglichen, fast leeren Arrangementräumen zu oftmals wahren Krachorgien erfüllt mit Zerrtönen, wütenden Gesängen, brachialen Gitarrenwänden: Industrial-Kunst auf höchstem Niveau. Eine bewundernswert ausgeprägte Experimentierfreudigkeit herrscht auf diesem CD-Kleinod, durchweht von einem Indie-Geist kostbarer Subversivität, Zerbrochenheit, Verzweiflung, einem Ringen um Kraft, Leben, Magie inmitten der Grauheit des Alltags. Was soll man sagen? Schlicht umwerfend. Es könnte sogar sein, dass sowohl Trent Reznor als auch Chris Corner, falls sie auf diese Platte stoßen sollten, ganz leise vor sich hin denken mögen: „Oh, von einer solchen Inbrunst ist mir letzthin ein bisschen was verloren gegangen. Wie ärgerlich.“
Kym Gnuch

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2014.

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Thursday the 27th.
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