CD-Rezension / Review / Kritik

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Sine Silex Schachmatt CD Cover

Sine Silex „Schachmatt“

(Werkstatt Recordings)
Das Ohr lauscht attraktiven Drummachine-Sounds wie aus dem Jahr 1981, namentlich schmal angelegten, klatschenden Snares, einer Bassdrum, die etwas zu breit ist, um aus demselben Zeitalter zu stammen, unaufdringlich schwingenden Synth-Flächen, einem angenehm lasziven Sprechgesang des Musikers Chroma Carbon alias François Ducarn und – wobei es hier besonders entzückt ist: von der wunderbaren Stimme von Kriistal Ann. Diese klingt zuweilen kühl, dann wiederum inbrünstig und leidenschaftlich, wobei sie in manchen Passagen an Baccara erinnert – was an dieser Stelle alles andere als boshaft gemeint ist! Ihr nasales Timbre durchfließt in einfachen, betören Gesangslinien die Arrangements, welche von fließenden Modulationen in den Electro-Sequenzen, sanft heulenden Synth-Flächen und den ausgedünnten Drums leben. Es herrscht insgesamt ein entspanntes, aber sehr anziehendes Klangflair; fast noch schöner als bei „Magic Fly“ von Space oder „Das Model“ von Kraftwerk, mit denen die Sine Silex-Soundsprache seelenverwandt scheint. Apropos Verwandtschaft: Chroma Carbon wirkt in seiner gehauchten Laszivität bisweilen, so zum Beispiel in „Operative“, wie eine männliche Variante von Amanda Lear – oder erinnert an Yello; Kriistals Part ist im genannten Song so schmerzvoll schön, dass man das Stück am liebsten fünfmal hintereinander hören möchte. Man kann aber auch weiterhören, denn das Wechselspiel der zwei Stimmen funktioniert eigentlich in jedem Song, egal ob sie sich der englischen oder der französischen Sprache bedienen. Irgendwie eine Platte für den Spätfrühling oder eher: den Sommer.
Kym Gnuch

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2017.
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Wednesday the 26th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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