CD-Rezension / Review / Kritik

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THYX
„Super Vision“
(Dreamweb Music)
Auf Stefan Poiss ist Verlass – egal unter welchem Namen er gerade operiert. Trotzdem konnte man sich ob des marginalen Unterschiedes zu seiner Hauptband Mind.In.A.Box zuweilen schon fragen, wozu der Österreicher das Seitenprojekt THYX überhaupt braucht. Perlende Sequenzen simulieren Musik aus Raum und Zeit, ein moderater Breakbeat kickt los, die angeraute Stimme flüstert mit einem Vocoder bange über die Zukunft der Menschheit um die Wette, und auch „Robots Don’t Lie“ fügt sich haargenau in die androide Elektronik für Fortgeschrittene ein. Doch dann verblüfft „Für immer“ plötzlich mit einer grollenden Grabesstimme und legt im Refrain bösen Industrial-Metal nach. Atomisierte Rammstein auf Weltraumspaziergang – man könnte darüber streiten, ob so etwas ins Gesamtbild von „Super Vision“ passt, hat aber zugleich das Gefühl, dass sich THYX und Mind.In.A.Box allmählich voneinander emanzipieren, zumal „Don’t Let Yourself Go“ von einer psychedelisch angezerrten Stromgitarre zerteilt wird. Und so scheint Poiss auf diesem Album zusehends zu granteln – kein Wunder ob der leider tagesaktuellen Ausspähthematik von „Super Vision“. Wenn das tiefe Organ im Rausschmeißer „Every Time“ ein zweites Mal spricht, fällt Kennern des frühneunziger Frankfurter Techno-Undergrounds womöglich auf: Das EBM-Duo von DJ-Veteran Andy Düx, das auf dem Album „Living In Purgatory“ seinerzeit ähnliche Töne anschlug, hieß ausgerechnet THX. So ein Zufall. Aber Schluss mit Verschwörungstheorien. Davon gibt es auf „Super Vision“ schon genug.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2014.


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