CD-Rezension / Review / Kritik

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suns of thyme cascades

Suns Of Thyme
„Cascades“
(Napalm Records/Universal)
Willkommen zu unserer Reihe „Stilneologismen, die uns gerade noch gefehlt haben.“ Nachdem wir uns letzten Monat von Wray aus Birmingham, Alabama, den Begriff Powergaze erklären lassen durften, sind diesmal die Wahlberliner Suns Of Thyme an der Reihe. Obwohl die ihren selbstdiagnostizierten Krautgaze bereits auf dem Debüt „Fortune, Shelter, Love & Cure“ aus der Taufe hoben. Das dampfte 2013 ebenso psychedelisch wie kraftvoll ab, vermengte Post-Punk und Indie mit – genau – Krautrock und Shoegaze, wobei mit „Soma (God For Gods)“ oder dem Groover „Cataclysm 2084“ einige Volltreffer heraussprangen. Oft ins Schwarze zielt auch „Cascades“ und füttert seine knallbunten Visionen bewusstseinserweiternder Rock-Spielarten mit deutlich präsenteren Elektronik-Spitzen an. Schon beim Opener „Do Or Die“ hüpfen die Keyboards aus allen Ecken, während Tobias Feltes’ immer etwas belegte Stimme pastoral über dem Song thront. Der Stampfer „Intuition Unbound“ macht unter angedüsterten Bedingungen Tame Impalas „Elephant“ seine Aufwartung, bevor „Aphelion“ die Gitarren im Stoner-Modus explodieren lässt – und auch auf orientalisch entrückte Zupfereien muss man nicht lange warten. Fun Fact mit Träne im Knopfloch: Ein knackiger Rocker trägt ausgerechnet den Titel „Deep Purple Rain“ – und vielleicht jammen Jon Lord und Prince Rogers Nelson ja gerade im Musikerjenseits dazu. Suns Of Thyme sollten uns aber bitte noch lange auf Erden erhalten bleiben.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2016.

Sunday the 20th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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