CD-Rezension / Review / Kritik

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Perturbator New Model CD Cover

Perturbator „New Model“

(Blood Music)
Bitte nicht stören? Denkste! Perturbator, namentlich James Kent aus Paris, ist gekommen, um zu nerven – oder zumindest um dem Hörer sechs neue Synthwave-Bretter vor den Latz zu knallen. „New Model“ orientiert sich grundsätzlich an einer ins Science-Fiction-Extrem vorangetriebenen Spielart des retrofuturistischen elektronischen Pop, der bei Kollegen wie GosT oder Dan Terminus gelegentlich ins Käsige abzurutschen droht – Kent jedoch umgeht diese Gefahr auf seinem fünften Longplayer souverän und entwirft eisig brennende Maschinenwelten, die mit Elementen aus Industrial und hart zutretender Psychedelic Trance jede Menge Düsternis verblasen. Grund genug dafür gibt es, denn das „New Model“ steht für eine künstliche Intelligenz, die den Menschen vor sich selbst beschützen soll – und es in der Folge für das Klügste hält, die Spezies gleich ganz auszurotten. Stücke wie das monströs auftrumpfende „Tainted Empire“ oder „Tactical Precision Disarray“ erzählen mit oft knirschender synthetischer Power von dieser Dystopie – nur „Vantablack“ inszeniert sich als gediegener Midtempotrack mit einem Restanteil zarter Gefühle, bevor „God Complex“ zu einem imposanten, fast zehnminütigen Finale rüstet. Einzige schlechte Nachricht: Das hübsche schwarz-weiß gesprenkelte Vinyl ist bereits ausverkauft. Bleibt noch die einfarbige Version – oder ein unentgeltlicher Download auf der Bandcamp-Seite von Blood Music.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 12/2017.
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Tuesday the 18th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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