CD-Rezension / Review / Kritik

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lower seek warmer climes

Lower
„Seek Warmer Climes“
(Matador/Beggars Group/Indigo)
Wahrscheinlich muss man es Art-Punk nennen, was uns Lower aus Kopenhagen da auf ihrem Debütalbum um die Ohren hauen: Lärmig, komplex, mit intelligenten, poetischen Texten über innere Zerrissenheiten und äußerliche Veränderungen. Ein wenig merkt man die musikalische Nähe zu Iceage, wenn sich Sänger Adrian Toubro tendenziell auf Songwriter wie Leonard Cohen oder den späten Scott Walker beruft. „Seek Warmer Climes“ ist kein bequemes Album geworden, sondern ein bohrendes, manchmal bewusst nervendes, das einerseits auf kurze Songs von zweieinhalb bis etwas über drei Minuten setzt, dann aber mit dem zentralen Werk „Expanding Horizons (Dar Es Salaam)“ in der epischen Länge von sieben Minuten die geplatzten Weltverbesserungsträume und desillusionierenden Afrika-Erfahrungen des Sängers aufgreift. An manchen Stellen erinnern die Songs an eine fehlgestimmte Version der frühen Blumfeld, an manchen wirken die Sounds wie ein komplexes Zerrbild des 1977er-Punk. Eine echte Entdeckung für jene, die auf noisige Dissonanzen abfahren.
Georg Howahl

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2014.

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