CD-Rezension / Review / Kritik

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Levin Goes Lightly GA PS CD Cover

Levin Goes Lightly „GA PS“

(Staatsakt/Caroline/Universal)
Levin Stadler ist ein Kontraste liebender Zeitgenosse. Diesen Eindruck konnte man zumindest bekommen, als auf seinem Debüt „Neo Romantic“ ausgerechnet ein Autowrack zu sehen war. Allenfalls gekippt war die Romantik auch auf den zehn Stücken, die bei Joy Division mit vorwiegend elektronischen Mitteln und bei mal brütendem, mal monoton ratterndem Krautrock andockten. Auf dem Nachfolger sind die musikalischen Bezugspunkte weniger eindeutig festzumachen: „GA PS“ ist ein Album über die Distanz zwischen den Menschen, bei dem die Lücke bereits im Titel steckt, sowie ein dunkles elektronisches Glühwürmchen. Naheliegendster Vergleich: All Diese Gewalt, das Soloprojekt von Die Nerven-Sänger Max Rieger, der an Schlagzeug und Mischpult mittut. Der Fokus aber liegt auf repetitiv kokelnden Keyboards und teils schleppend groovigen, teils gebrochenen Beats, über die Stadler ätzende Beobachtungen zu oberflächlichen Partygesellschaften, Digital Natives und seiner Abgekoppeltheit von der Gesellschaft sprechsingt – das Bekenntnis ‚I’m sociophobic’ aus dem programmatisch betitelten „S.A.D.“ nimmt man ihm ohne Weiteres ab. Erst ab der Mitte fallen Post-Punk-Gitarren in die Stücke „7:30“ und „O’Neill“ ein wie einst in Joy Divisions „Transmission“. Bis dahin hat man „GA PS“ aber längst als düster-selbstreferenzielles Glamour-Ding schätzen gelernt, das kaum wie etwas anderes und dabei vor allem nach Levin Goes Lightly klingt. Und das ist ein ausdrückliches Kompliment.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2017
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