CD-Rezension / Review / Kritik

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tim hecker love streams

Tim Hecker
„Love Streams“
(4AD/Beggars Banquet/Indigo)
Ewig vorbei sind die Zeiten, in denen Tim Hecker mit Jetone noch in Techno machte. Schnell entdeckte der Kanadier seine eigentliche Berufung: Ambient der aufwühlenden Sorte. Keine Fahrstuhlmusik, sondern unbequeme Klanginstallationen, in denen sich Loops, Fragmente und Samples schichten und miteinander in wirres, schnatterndes, aber doch aufschlussreiches Gespräch kommen. Sein letztes Album „Virgins“ spitzte diese dem frühen Industrial entlehnte Technik zu und sorgte nicht nur bei Kritikern für Begeisterung. Auch Fans minimaler Elektronik und ambienter Experimente lagen ihm zu Füßen. Für das in Island aufgenommene „Love Streams“ zerstückelt Hecker nicht mehr Orgeln, sondern gleich einen ganzen Kirchenchor, den er als Fragmente in brummende Drones, elektronisches Flirren und Flattern einbindet. Wer jetzt an konventionellen Gesang denkt, liegt daneben. Vielmehr nutzen die Tracks auf „Love Streams“ die Aufnahmen als eigenes, stark verfremdetes Instrument in der noisig-ambienten Kakophonie. Easy Listening ist das alles nicht, auch kein Soundtrack für Blümchensex. Die Liebe steckt in „Love Streams“ vielmehr in hunderten winzigen Details.
Torsten Schäfer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2016.

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