CD-Rezension / Review / Kritik

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Drab Majesty The Demonstration CD Cover

Drab Majesty „The Demonstration”

(Dais Records/Godbrain)
Noch jemand, der findet, neue Alben von Cold Cave oder The Soft Moon lassen schon viel zu lange auf sich warten? Zum Glück gibt es Andrew Clinco alias Deb DeMure aus Los Angeles, der als Drab Majesty das zweite Album nach „Careless“ aus dem Jahr 2015 vorlegt – jeder, der einerseits die Cold Wave-Qualitäten oben genannter Bands und andererseits den gedrückten, shoegazigen Dream-Pop der späten Cocteau Twins oder der Briten Breathless schätzt, bekommt mit „The Demonstration“ ein hervorragendes Vorzeigeobjekt. Und obwohl DeMure mit großflächig verlaufendem Make-Up und wallenden Gewändern eine recht exaltierte Figur abgibt, ist seine Musik längst nicht so spektakulär wie sein Erscheinungsbild, sondern hinreißend subtil. Da seufzen sich Stücke wie „39 By Design“ oder „Cold Souls“ durch selbstvergessenes Midtempo und malerische Fingerpickings, als wären A Flock Of Seagulls kein waviges Chart-Phänomen der Achtziger, sondern eine Selbsthilfegruppe mit weichgezeichneten Jangle-Gitarren gewesen und hätten die Entdeckung der Langsamkeit als Anlass zur Bandgründung genommen. Erst ab der Mitte kommt „The Demonstration“ auch in Sachen Geschwindigkeit mehr in die Hufe: Die Single „Too Soon To Tell“ oder „Kissing The Ground“ sind um geschwinde Beatboxen herumgebaute New Wave-Schönheiten, die die Raumtemperatur zumindest vorübergehend ansteigen lassen – wohliges Frösteln ist auf diesem köstlich düsteren Album dennoch nicht nur beim Blick aufs eisblaue Cover garantiert.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2017.
Thursday the 17th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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