CD-Rezension / Review / Kritik

Drucken
Crisis Actor Slave New World CD Cover
Crisis Actor
„Slave New World“
(Ant-Zen)
Sepultura oder Aldous Huxley? Gewiss ließen sich Snog-Mann Thrussell und sein Kompagnon d’Oporto eher vom Werk des Literaten als vom Geschrammel der genannten Thrash/Death-Metal-Giganten inspirieren. Wie dem auch sei, zweifellos gelingt den beiden ein erfrischend kulturpessimistischer Beitrag zum aktuellen Verblödungsdiskurs. Jeder kennt das: Morgens quält man sich ebenso mühsam wie verknittert aus den Federn, nur um schnellstmöglich sein Smartphone zu zücken und ein paar sinnfreie Porträts von sich selbst oder seinen verblödeten Katzen zu knipsen. Follower, Fans und virtuelle Freunde warten schließlich schon auf neuen Input. Warum eigentlich? Keine Ahnung. Vielleicht handelt es sich bei selbigen schlicht um Idioten oder um degenerierte Individuen, die sonst nicht viel zu lachen haben – denkbar ist alles. Da kommt der „Superstar“, der einem vom Denken abhält, ja gerade recht. Crisis Actor machen genau das Gegenteil. Mit intelligent arrangiertem Electro, der Freunde gepflegter Rhythmik ebenso anspricht wie sensible Feingeister, regen sie zum Nachdenken an. Wer sich davon inspirieren lässt, gehört definitiv zu den Gewinnern. Allen anderen droht früher oder später „Death By Selfie Stick“.
Kai Reinbold

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2017.
Saturday the 21st.
2017 Sonic Seducer Magazin

©