CD-Rezension / Review / Kritik

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callisto secret youth

Callisto
„Secret Youth“
(Svart/Cargo)
Wem der Vorgänger „Providence“ aufgrund seiner progressiv veranlagten Adipositas allzu schwer im Magen gelegen haben sollte, kann sich beim Genuss von „Secret Youth“, dem vierten Album des Septetts aus Kokkola (Finnland), den Absacker getrost sparen. Statt weiter mit vertrackter Rhythmik und technischer Überdosierung an der Opulenzschraube zu drehen, verlassen sie sich diesmal auf die Macht konzentrischer Verdichtung und schließen somit wieder bei ihrem Über-Album „Noir“ von 2006 an. Schon das saftige Basspluckern zur Ausgestaltung einer sich an sehnendem Leid verzehrenden Gesangslinie verrät zum Auftakt („Pale Pretender“) die Tendenz zum schlüssigen Kanalisieren überreichlich vorhandener Ideen im Auftrag von wohligem Erschaudern und freudigem Staunen, bis das oft bemühte Fass spätestens beim perfide ziehenden Schlüsseltrack „Ghostwritten“ doch wieder in Sturzbächen überläuft. Die Schnittmenge aus Post Sludge Metal und Dark Noise Rock weiten Callisto weidlich aus, verdrängen dabei die zuvor noch leicht von der Hand gegangenen Referenzbands von Neurosis bis Isis, und reklamieren dabei nichts weiter als eine ganz eigene Spielklasse, in der sie auf lange Sicht hin das Pendant zu den Bayern in der Bundesliga abzugeben gedenken.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2015.


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