CD-Rezension / Review / Kritik

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Mark Reeder Mauerstadt CD Cover

Mark Reeder „Mauerstadt“

(Kennen/Alive)
Mark Reeder sollte man nicht nur als Hauptfigur und Erzähler der New Wave-Dokumentation „B-Movie: Lust & Sound In West-Berlin 1979 – 1989“ kennen: In den Achtzigerjahren leitete der in Berlin lebende Engländer die deutsche Niederlassung von Factory Records und machte sich später mit dem Techno-Label MFS und als gefragter Remixer einen Namen. Als Musiker trat der vielbeschäftigte Mann aus Manchester vergleichsweise selten in Erscheinung, und auch bei „Mauerstadt“ handelt es sich um kein ausgesprochenes Artist-Album, sondern eher um eine Compilation, auf der sich Techno, Retro-Elektronik und aktuelle Post-Punk-Auswüchse widerspiegeln und Reeder sich Musiker verschiedenster Stilrichtungen ins Studio holt. Zusammen mit The KVB führt er etwa den Sound des „Of Desire“-Albums fort, Elizabeth Morphew alias Queen Of Hearts und Maja Pierro schraubt er je einen vorzüglichen Electro-Disco-Track auf den Leib. Im Stück mit MFU pumpt hingegen ein druckvoller Basslauf – dass es „Mmm Mmm Mmm Ahh“ heißt und im Umm & Arrggh Remix vorliegt, amüsiert dabei nicht wenig. Doch auch die alten Weggefährten kommen nicht zu kurz: Von New Orders „Music Complete“-Album sind mit „Academic“ und „The Game“ gleich zwei Reeder-Bearbeitungen vertreten, während Inspiral Carpets’ „You’re So Good For Me“ im Like A Tonic Remix nun verdächtig nach „Unveiling The Secret“ von Psyche klingt. Und auch auf Reeders eigenen Tracks gibt es einiges zu entdecken. 73 tolle Minuten ohne jegliche musikalische Beschränkungen.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2017.
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2017 Sonic Seducer Magazin

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