Review
Artist: MUSE
Titel: The Wow! Signal
- Artist: MUSE
- Label/Vetrieb: Warner Music
Nachdem sich Muse zuletzt mit ihrem überambitionierten Mix aus Art Rock, Electro-Ästhetik und dem Hang zur maximalen Bühnenwirkung gelegentlich selbst im Weg standen – auch wenn dabei weiterhin beachtliche Ergebnisse entstanden –, bringen Mastermind Matthew Bellamy und Co. mit „The Wow! Signal“ wieder einiges ins Lot. Thematisch inspiriert von jenem rätselhaften Signal, das 1977 vom Big-Ear-Radioteleskop in Ohio empfangen wurde und bis heute als möglicher erster Kontaktversuch außerirdischer Intelligenz gilt, richtet die Band den Blick jedoch weniger ins All als nach innen. Muse begeben sich auf eine Suche nach dem eigenen Kern. Dabei changiert das Album zwischen Reminiszenzen an die frühen Jahre („Cryogen“), metallischer Schärfe und poppiger Direktheit („Unravelling“), verträumter Tanzbarkeit mit Unterstützung von Ellie Goulding („Hush“) und Momenten beinahe selbstreferenzieller Rückschau („The Dark Forest“ – „Supremacy“ lässt grüßen). Doch anders als auf den Vorgängern wirken diese Gegensätze nicht wie kalkulierte Eskalation, sondern wie bewusst gebündelte Kräfte. Gerade darin liegt die eigentliche Stärke von „The Wow! Signal“: Muse gelingt es, ihren oft allzu verkopften Stilmix wieder auf das Wesentliche zu verdichten, ohne den eigenen progressiven Anspruch aufzugeben. Statt Größe um der Größe willen entsteht ein Werk, das Pop-Appeal und Komplexität so selbstverständlich miteinander verwebt wie lange nicht mehr. Prädikat: Wow.
Tom Lubowski
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