CD-Rezension / Review / Kritik

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Masami Akita  Eiko Ishibashi Kouen Kyoudai

Masami Akita & Eiko Ishibashi
„Kouen Kyoudai“
(editions Mego/Morr Music)
Anders als noch in den 90er Jahren erscheinen Merzbow-Alben inzwischen nicht mehr im gefühlten Minutentakt. Dass „Kouen Kyoudai“ nicht Merzbow, sondern Masami Akita als Urheber listet, mag man im ersten Moment der Sorge vor einem Übersättigungseffekt geschuldet sehen. Beim Hören wird jedoch sehr schnell klar, dass für Akita ein musikalisches Leben jenseits des reinen Noiseblast seines Alter Egos Merzbow möglich ist. In Kooperation mit dem Musiker und Produzenten Eiko Ishibashi entstanden zwei je eine Spielseite ausfüllende Tracks. Der pure Lärm tritt hier zugunsten eines erweiterten Instrumentariums in den Hintergrund. Ishibashi steuert vor allem hämmernde Pianopassagen bei, während sich Akita mehrfach auf seinen Platz hinterm Schlagzeug zurückbesinnt. Im Verbund mit der harschen Elektronik entsteht hieraus ein Wechselspiel aus beklemmender Schönheit und kratzbürstigem Lärm. Sicher ist hierbei nur, dass die Stimmung jederzeit kippen kann. „Kouen Kyoudai“ zeigt eine kreative Entwicklung, die ich Akita längst nicht mehr zugetraut hätte. Eine gelungene Überraschung.
Sascha Bertoncin

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2016.
Wednesday the 11th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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