CD-Rezension / Review / Kritik

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feline and strange out 2017
Feline & Strange
„Out“
(RAR/Motor/H’ART)
Opernsängerin, Tango-Chanteuse, Regisseurin, Festivalveranstalterin – das alles sind Bezeichnungen, die auf Feline Lang zutreffen. Zudem und nicht zuletzt ist sie die Stimme einer der bemerkenswertesten Bands aus deutschen Landen: Feline & Strange. Die Verve, mit der das Berliner Duo und seine Gäste Brecht/Weill-Atmosphären und düstere Elektronik verbinden, ist zum Niederknien schön. Wen der Gesang allein nicht packt, der verfällt dem Cellospiel von Felines Kollegen Christoph Klemke oder der zwischen gezielten Akzenten, neckischer Verspieltheit und treibendem Groove wechselnden Schlagzeugarbeit von Brian Viglione. Richtig: Das ist der Mann, der auch bei den Dresden Dolls hinter der Schießbude sitzt. Mit den Cabaret-Elementen im Œuvre von Feline & Strange kommt er entsprechend schlafwandlerisch zurecht, aber auch die elektronischere Uptempo-Nummer „Little Boxes“ profitiert von seinem präzisen, druckvollen Spiel. Das Faszinierende an „Out“ ist, wie von Synthesizern grundierte Songs à la „No Life On Mars“ und „Berlin’s A Bitch“ zusammenfinden, das in seiner nostalgisch vertonten Hektik unweigerlich Robert Siodmaks Berlin-Stummfilm „Menschen am Sonntag“ von 1930 in Erinnerung ruft. So unterschiedlich die Lieder klingen – Felines Stimme und der Klang des Cellos halten das große Ganze auf geradezu magische Weise zusammen. „Out“ ist eine Revue der Emotionen, die Mythen für die Ewigkeit („Lilith“) und gegenwärtigen Irrsinn („Modern Conversation!“) zusammenführt. Wunderschön, widerborstig, eigensinnig und einmalig.
Christoph Kutzer



Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2017


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