CD-Rezension / Review / Kritik

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Petter Carlsen Glimt CD Cover

Petter Carlsen „Glimt”

(Friskt Pust Records/Function Records/Cargo)
Der Titel seines 2012er Albums „Clocks Don’t Count“ deutete es schon an: Die Musik von Petter Carlsen aus Norwegen ist zeitlos. So gesehen herzlich egal, dass sein in der Heimat bereits 2009 erschienenes Debüt hierzulande erst letztes Jahr auf den Markt kam – auch sieben Jahre später waren Singer-Songwriter-Freunde genauso angetan wie Post Rock-Hörer, denen der Skandinavier zudem als zeitweiliger Vokalist von Anathema und Long Distance Calling ein Begriff sein wird. Auf seinem vierten Longplayer „Glimt“ singt Carlsen nun erstmals durchgängig in seiner Muttersprache – etwa über freundliche Geister oder den Wunsch, als Adler wiedergeboren zu werden, was den Kreis zu „You Go Bird“ in gewisser Weise schließt. Die musikalischen Mittel sind entsprechend subtil, wenn ein Meer sanft verhallender Gitarren-Echos durch die Stücke weht und „Glimt“ seine Löcher an verschiedenen Stellen gräbt: Das Titelstück oder „Bare Du“ träumen sich an einen ähnlich verwunschenen Ort wie Timber Timbre oder Fai Baba, „Gnist“ und das verzögert Fahrt aufnehmende „Bensin“ lassen sich von einer aufgekratzten Drummachine durchrütteln, ehe ein präzise gelooptes Lick letzteren Song wieder auf sein melancholisches Grundgerüst herunterstutzt. Zu diesem Zeitpunkt ist dieses vorzügliche Album schon beinahe zu Ende – und der Hörer weiß längst, dass man kein Norwegisch können muss, um die musikalische Vision und emotionale Dringlichkeit von „Glimt“ zu erfassen.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2017.
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Saturday the 18th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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