CD-Rezension / Review / Kritik

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Gothminister The Other Side CD Cover

Gothminister „The Other Side”

(AFM Records/Soulfood)
So mancher Hörer wird sich womöglich während des Durchhorchens verwundert die Augen reiben – oder besser: die Ohren. Mit welch unfassbarer Brachial-Energie die Gothminister-Mannen um Björn Alexander Brem auf diesem ihrem sechsten Album loslegen, stellt nun wahrhaft ein Feuerwerk von selten erreichter Intensität dar. Mit drei Hammer-Hits der industrialinen Power, der gleißenden Chöse, rammsteinscher Straightness, energetischer Songführung und überrollender Eingängigkeit startet das Werk. Zudem überrascht die norwegische Band mit einigen Textpartikeln in der deutschen Sprache; der Opener „Ich will alles“ zum Beispiel hat alles, um dem Protagonisten das zu geben, was er möchte. Ähnlich veranlagt sind die nachfolgenden Stücke „The Sun“ und „Der fliegende Mann“. Erst hernach tritt der Gothminister ein wenig auf die Bremse – und führt mit „Aegir“ jene Elemente in diese Scheibe ein, welche ebenfalls eine gewisser Dominanz erreichen: traditionelle Komponenten aus dem Metal, man mag fast schon sagen: aus dem Hard Rock der späten Siebziger, frühen Achtziger. Diesen Einfluss mag man festmachen an der Riff-Ästhetik, an sich hoch schwingenden Gesangsbögen, an Gitarrensoli. Songs wie „Red Christ“ oder „Taking Over“ übernehmen dieses Flair und tragen es weiter. Einem Stück wie das Outro „Somewhere In Time“ mag man auch das Etikett Progressive Metal geben. Und „We Are The Ones Who Rule The World“ schwebt einfach über allem, macht sprachlos. Doch dies alles sind ja lediglich Beschreibungen der musikalischen Elemente: Wie jene in strahlende Kompositionen übertragen werden, ist eben das eigentliche Kunststück.
Kym Gnuch

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 11/2017.
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