CD-Rezension / Review / Kritik

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Low Roar Once In A Long Long While CD Cover

Low Roar „Once In A Long, Long While...“

(Nevado Records/Rough Trade)
Wenn Isländer ihre Heimat verlassen, um woanders ihr Glück zu suchen, ist das normal. Ist ja so kalt im Norden und andernorts auch mehr los. Doch was treibt einen Amerikaner an, nach Island zu ziehen? Weg aus Kalifornien! Ryan Karazija jedenfalls scheint die Kälte mehr zu lieben als die kalifornische Sonne. Vor sieben Jahren ließ er sich in Island nieder und verarbeitete den schwierigen Umzug auf dem ersten Album seiner neuen Band Low Roar. Zwei Alben später hat er mit „Once In A Long, Long While…“ seine Heimat endgültig gefunden. In ruhigen, atmosphärisch aufgeladenen Songs fängt er die träumerische Fantasieweltatmosphäre ein, die so typisch für isländische Bands ist. Sigur Rós schimmern zwischen den Akkorden durch, aber auch das elaborierte Songwriting von Radiohead, das den Titeltrack des Albums prägt. Allerdings kann Karazija seine Wurzeln nicht verbergen, was das Album als bi-kulturelles Werk spannend macht: amerikanische Folk-Referenzen von Bon Iver bis Nick Drake ziehen sich durch die schwelgerischen Pop-Songs isländischer Melancholie, in denen Karazija mit warmer Stimme das gemütliche Kaminfeuer anheizt und die vielen Eiskristalle aus Elektronik und Klavier in Songs wie „Waiting (10 Years)“ oder „Without You“ schmelzen lässt. Gelegentlich übertreibt er es textlich ein wenig und bläst die Gefühle gewaltig auf - wie im Duett „Bones“ mit Jófríður Ákadóttir. Man mag es ihm verzeihen angesichts der langen frostigen Winter in Island und seiner amerikanischen Wurzeln.
Torsten Schäfer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2017
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Tuesday the 13th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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