Review

Artist: NINE INCH NAILS

Titel: Tron: Ares (Original Motion Picture Soundtrack)

Abstrahiert man von dem Umstand, es beim zwölften Studioalbum von NIN zugleich mit einem „Original Motion Picture Soundtrack“ zu tun zu haben (und verfällt zudem nicht der zwanghaften Gewohnheit, jede Regung des Trent Reznor mit seinem längst auf ewige Gültigkeit geeichten Kanon ‒ „The Downward Spiral“, „The Fragile“ ‒ abzugleichen), muss im Ergebnis einer ersten Analyse von „Tron: Ares“ die schlichte Würdigung einer assoziativ-animativen Erfahrung stehen, die trotz aller impliziten Œuvre-Referenz in retro-futuristisch polierte Klangwelten lockt, ohne dabei das tradierte Besteck der Industrial Rock-Knorrigkeit gänzlich zu entweihen. Allerdings müssen hierzu vornehmlich die mit vier an der Zahl arg knapp bemessenen Songs genügen: Der monströse Magendreher „As Alive As You Need Me to Be“, der fiebrige Electro-Blues „I Know You Can Feel It“, die auf meditativen Wegen zur Überregung findende Randnotiz aus dem Serail („Who Wants To Live Forever?“, im intimen Duett mit Judeline) sowie „Shadow Over Me“ als Ausklangspeitsche. Die „restlichen“ zwanzig Tracks fungieren als ein Konsortium aus Interludes, als facettenreiche Scharnier- und Schienenspieler, mit entweder impulsiv als konkret nachvollziehbaren Settings oder eher skizzenhaft angedeuteten Stimmungsschwankungen. Die große Klammer bildet die unverkennbare Handschrift von Reznor und Ross, wenngleich die einzige Gewissheit darin bestehen mag, dass die zermürbende Stase des Corona-Logbuchs der Vorgänger („Ghosts V -VI“) überwunden ist. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob und wie sich „Tron: Ares“ in der Gunst der Fans durchsetzen und seinen Platz in der NIN-Diskografie finden wird. Dass sich mit der bloßen Offenbarung des neuen Materials sämtliche Fragen beantworten würden, dürfte ohnehin niemand erwartet haben. Ein Meisterwerk auf Verdacht. Und auf vielfache Wiedervorlage.

Stephan Wolf

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