Review

Artist: Maunah

Titel: Hjarta

Wenn Debütalben so sehr einschlagen, dass man kaum glauben mag, dass es sich um Debütalben handelt, ist das immer wieder eine besonders feine Sache, von der die Musikgeschichte zehrt. Die Doom-Folk-Formation Maunah hat sich mit „Hjarta“ in die Charta der Frühvollendeten eingereiht. Dabei muss jedoch angemerkt werden, dass hier alte Hasen der dänischen Szene zusammengefunden haben (also Mitglieder von Krauka, Los, Ironguard oder Encyrcle). Geschenkt, immer nur hinein ins Vergnügen, welches sich, wie es sich gehört, bedächtig einsteigt. Es wird nicht gleich alles Pulver verschossen, nur um anschließend heiße Luft folgen zu lassen. Stattdessen steigert sich das Material von Takt zu Takt in ungeahnte Höhen aus Emotion und Entfaltung. Die folkigen Roots bleiben bei diesen Extravaganzen zwar stets präsent, doch die stilistische Offenheit des Quintetts um Sänger Søren Sol Koldsen-Zederkof und Lead-Gitarrist Mads Medom Papsø Laursen lässt (auch) die Herzen von Proggies und (Dark-)Metallern aller Art scheinbar mühelos auf die Überholspur wechseln. Das zunächst einmal beschwichtigend, beinahe schon Canterbury-Folk zitierende „Theinajau“ erweist sich dabei als Scharnier. Doch danach, das verspreche ich Euch, geht es so richtig ab und in die Vollen. Dann wird das große Besteck weggepackt und fortan mit der nackten Faust gefressen! „Saivør“ entpuppt sich als in Geberlaune gezeugter Gothic-Metal-Bastard, „Vætna“ stellt die Prinzipien des elegischen Ausdrucks auf die Probe, der abschließende Titeltrack nimmt sich einfach nur die Zeit, die er braucht, um ein Finale anzustiften, das verdammt nochmal unbefriedigt lässt. Denn wie gerne würde man nun wissen wollen, wie das alles weitergeht. Zugegeben, das alles ist nicht perfekt geraten. Manches wirkt noch etwas unausgegoren oder flüchtig exekutiert (Stichwort: Debütalbum). Aber das sich auf diesem Album offenbarende Potenzial deutet mehr an, als man sich fürderhin auf Anhieb zu ertragen fähig wähnt.

Stephan Wolf

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