Geboren um zu versagen? Der Graf polarisiert die Szene auch mit seinem Comeback zehn Jahre später extrem! Chefredakteur und Herausgeber Thomas Vogel und unsere langjährige Autorin Medusa, welche das Interview mit Unheilig für unsere Titelstory geführt hat, nehmen ausführlich Stellung, klären auf und blicken hinter die Kulissen.
Gothic? Schlager? Gothic-Schlager? Am Schaffen des Grafen von Unheilig scheiden sich seit dem Nummer-eins-Album „Große Freiheit“ und der Hitsingle „Geboren um zu leben“ die Szene-Geister. Hardliner werfen ihm Ausverkauf vor, treue Fans hingegen honorieren seine Wandlungsfähigkeit und die einfühlsamen Songs genauso wie die harten und ganz und gar nicht massenkompatiblen. Das neue Album „Liebe Glaube Monster“ enthält beides – wir führen mit dem Grafen ein ungewöhnlich langes Gespräch über sein Comeback, seinen persönlichen und musikalischen Werdegang und betrachten das Phänomen Unheilig von allen Seiten. Im Folgenden nehmen Chefredakteur und Herausgeber Thomas Vogel und unsere langjährige Autorin Medusa ausführlich Stellung dazu – die Texte lest Ihr unten!
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Thomas Vogel: Die unheilige Allianz
In der letzten Ausgabe hatten wir für Euch mit The Damned 50 Jahre Goth-Punkrock auf die Zwölf – und selbst The Damned hatten mit der Single „Eloise“ im Jahr 1986 einen Top-2-Chart-Hit.
Doch fangen wir von hinten an: Der Aufschrei anlässlich unserer Titelstory zu Unheilig und „Liebe Glaube Monster“ wird vermutlich monströser sein als bei kaum einer anderen Titelstory seit 1994, dem Gründungsjahr von Sonic Seducer. Insbesondere da in den letzten Jahren die Toleranzschwelle bei einigen Szene-Vertretern – befeuert durch Social Media und vielleicht auch durch die Pandemie – sehr stark gesunken ist. Unheilig polarisieren extrem, und viele von Euch trauen sich eigenen Angaben zufolge nicht mehr, sich öffentlich zu Unheilig zu äußern. Denn der vermeintliche „Schlager-Barde“, der die Szene vor inzwischen 15 Jahren angeblich verraten haben soll, wird von vielen von Euch offenbar immer noch geliebt. Man könnte den Eindruck gewinnen, es ist ein wenig wie bei McDonald’s: Alle lehnen den Fast-Food-Schuppen offiziell ab – trotzdem ist er immer voll. Ich habe den Grafen im Laufe der Jahre einige Male persönlich getroffen, unter anderem auf dem M’era Luna Festival 2010 am 07. und 08. August, also fast sechs Monate nach seinem großen Durchbruch mit dem Album „Große Freiheit“. Seinen enormen Erfolg mit monatelanger Spitzenplatzierung in den Charts hatte er zu diesem Zeitpunkt vermutlich bereits realisiert – dennoch war Der Graf sehr nett, höflich und gut gelaunt. Am Ende unseres Gesprächs teilte er mir kein bisschen abgehoben mit, wie sehr er sich auf seinen Auftritt vor seinen ursprünglichen Fans freue, welche ihn bereits seit zehn Jahren begleiten.
Recherchiert man, was eigentlich Stein des Anstoßes unter unsereins gewesen sein soll, dann findet man in der Mainstream-Presse von damals Folgendes über den Grafen: „Er gab zu, dass die schwarze Kleidung und das düstere Auftreten für ihn anfangs ein Schutzschild waren, um seine Schüchternheit zu verbergen.“ Darüber hinaus: „In verschiedenen Gesprächen betonte er, dass er nie die typischen Szene-Werte (wie eine tiefere Beschäftigung mit Okkultismus oder spezieller Szene-Philosophie) geteilt habe. Er sei eher durch seine Musik und die frühe Vermarktung in diese Schublade ‚hineingeruscht’.“ Und des Weiteren: „Mit dem kommerziellen Durchbruch durch das Album „Große Freiheit“ (2010) wurde die Distanz deutlicher. Während er 2011 noch sagte, er fühle sich der Szene verbunden, erklärte er später, dass Unheilig immer Popmusik war, die lediglich ein dunkles Gewand trug.“ Später äußerte sich Der Graf hingegen erneut gegenteilig: „Trotz seiner Distanzierung von der Ideologie betonte er in einem Interview mit der Morgenpost im Juni 2014 auch, dass die Band aufgrund ihrer Wurzeln immer ein Teil der Szene bleiben werde.“
Nun, ich denke, ich liege nicht ganz falsch, wenn ich vermute, dass man über die Jahre von Depeche Mode oder The Cure auf ähnliche Fragen ähnliche Antworten bekommen hätte. Von beiden Bands gibt es auch sehr poppige Songs, welche allerdings wegen der englischen Sprache nicht direkt wie Schlager wirken. Würde man einige Texte von The Cure ins Deutsche übersetzen, wäre der Unterschied zu späteren Unheilig-Songs auf einmal gar nicht mehr so riesig. Es wird häufig davon gesprochen, die Abkehr von der Szene habe damit begonnen, dass Der Graf seine Kontaktlinsen nicht mehr trug – was vermutlich in gar keinem direkten Zusammenhang mit einer Abkehr von der Szene stand, da viele Bands im Laufe der Zeit oder von Album zu Album ihr Outfit oder Stilmittel ändern.
Ein Künstler dieser Größenordnung gibt in der Regel 20, höchstens 30 Minuten lange Interviews – oft nur ganz wenige für sehr große Medien. Außerdem gibt es nicht selten Vorgaben, auf welche Themen die Künstler nicht angesprochen werden sollen. Das Unheilig-Management teilte mir jedoch mit, dass sich Der Graf sehr auf das Interview mit usnerem Magazin freut, weil ihm Sonic Seducer (und damit die Szene) sehr wichtig sind. Mit unserer langjährigen Redakteurin Medusa hat er mehr als eine Stunde gesprochen – ohne jegliche Tabu-Themen. Von Seiten der Plattenfirma hieß es damals, zur Zeit seines größten Erfolges: „Der Graf ist dieser Zielgruppe entwachsen, er sieht sich nicht mehr dort!” Doch das kam höchstwahrscheinlich nicht von ihm, sondern war Wunsch der damaligen Vertreter der Plattenfirma. Und entspräche diese Äußerung der Wahrheit, dann würde er Sonic Seducer heute sicherlich kein Interview mehr geben.
Jeder Mensch hat irgendwann in seinem Leben Schicksalsschläge oder Tiefpunkte. Für den Grafen ist es etwas Wunderbares, wenn er mit seinen Songs die Menschen emotional berühren und ihnen helfen kann, diese Tiefpunkte zu überwinden. So wie seine Musik auch ihm selbst geholfen hat: „Glaube an dich selbst. Du kannst es schaffen.” Jeder Künstler freut sich über großen Erfolg und wenn viele Leute seine Musik mögen. Die wenigsten von ihnen möchten ihre Musik auf eine bestimmte Zielgruppe beschränken und andere ausschließen. Kann man Bernd Graf diese Haltung übelnehmen? Oder kann man es ihm übelnehmen, dass er eine Einladung etwa zu einer Fernsehsendung oder zum einem Event wahrnimmt, weil grundsätzlich nichts dagegenspricht? Ähnliches wurde vielen Bands aus unserer Szene jedenfalls nicht übelgenommen – zum Beispiel im Laufe der Jahre Subway To Sally, Lord Of The Lost, Feuerschwanz, Joachim Witt oder Oomph!.
Wenn Unheilig tatsächlich ein Problem mit der Szene hätten, würde es auf dem neuen Album keine Songs wie „Monster“, „Brot und Spiele“, „KI – 0100101101001001“ oder „Böse Geister“ geben und die Live-Setlist würde sicherlich auch ganz anders aussehen. Lange Rede, kurzer Sinn: Lest unsere Titelstory und die Rezension zum Album, hört Euch die Songs an. Und wenn euch einige nicht gefallen, zwingt Euch auch niemand dazu. Schließlich gibt es in dieser Ausgabe wie in jedem Monat dutzende andere Szene-Themen zu entdecken. Es ist also auch kein Problem, wenn Ihr Euch Unheilig verweigert und nur den Rest lest – dieser liegt dann immer noch bei circa 90 Prozent des Umfangs dieser Ausgabe.
In diesem Sinne, wünsche ich euch wie immer viel Spaß mit der neuen Sonic Seducer März Ausgabe 2026!
Thomas Vogel
Medusa über die Entscheidung, ein Titelstory-Interview mit dem Grafen zu führen:
„… jede Entscheidung, ob falsch oder weise, weckt die Geister auf unserer Reise …“ (Unheilig. „Böse Geister“)
Ich kann die Diskussion um Unheilig beziehungsweise den Grafen und seine angebliche Distanzierung von der Schwarzen Szene ehrlich gesagt nur bedingt nachvollziehen. Ich kenne den Grafen noch aus den Anfangstagen um das Jahr 2000, als er als Newcomer beim Wave Gotik Treffen unterwegs war. Ein Song wie „Sage ja!“ wurde 2002 einst von der stetig wachsenden Fangemeinde gefeiert. Oder denken wir einmal an die Tanzflächenhymne „Freiheit“ von 2004 – klar, der Sound war da noch deutlich härter und dunkler, aber Hand aufs Herz: Pathos war doch schon immer mit dabei. Und das ist ja nun wirklich nichts, was nur beim Grafen der Fall ist. Damals erlebte ich ihn als recht unbekannten Künstler bodenständig, nahbar und unglaublich freundlich im Umgang mit seinen Fans. Genau diesen Eindruck habe ich über die Jahre hinweg behalten. Für mich ist Der Graf kein abgehobener Star geworden, sondern im Kern derselbe geerdete Mensch geblieben.
Erfolg verändert vielleicht die Rahmenbedingungen, aber nicht zwangsläufig den Charakter. Wer ihn persönlich erlebt hat, weiß, dass er immer respektvoll und wertschätzend aufgetreten ist. In unserem Interview spricht er mit großer Dankbarkeit von seiner Frau, die ihn quasi zehn Jahre lang auch finanziell unterstützt hat, als noch nicht der große Geldsegen anstand. Dass mit wachsendem Erfolg – spätestens mit dem großen Durchbruch von Unheilig und dem Majordeal – auch die Hörerschaft größer und breiter wird, ist doch völlig normal. Musik, die viele Menschen erreicht, überschreitet nun einmal Szenegrenzen. Das ist kein Verrat an den Wurzeln, sondern eine natürliche Entwicklung. Wenn Songs plötzlich im Radio laufen und nicht mehr nur im Szene-Club, bedeutet das nicht automatisch, dass man sich für eins entscheiden muss. Wir haben mittlerweile so viele Künstler beim Bundesvision oder Eurovision Song Contest – das ist doch mutig und irgendwie auch amüsant! Schwarz ist längst salonfähig geworden und vieles hat auch nichts mehr mit dem Schwarzsein zu tun, wie ich es aus meiner Jugend kenne. Das kann einem gegen den Strich gehen, muss es aber nicht. Die Entscheidung muss jeder selbst treffen.
Auch das Ablegen der weißen Kontaktlinsen ist nicht als angeblicher Beweis für eine Abkehr von der Szene zu werten: Bühnenoptik ist für manchen Künstler ein Stilmittel. In den nun 25 Jahren, die ich als Schreiberin für die Szene tätig bin, habe ich viele Veränderungen von Künstlern erlebt und ziehe den Hut vor denen, die für ihre Leidenschaft leben – und auch ihre Rechnungen davon bezahlen. Ein Künstler darf sein Erscheinungsbild verändern, ohne dass das gleich eine ideologische Kehrtwende bedeutet. Der Graf hat sich über eine Stunde Zeit für das Interview genommen; als der Zoom-Link uns nach den eingeräumten 30 Minuten rauskickte, hat er keinen Moment gezögert, sich sofort wieder reinzuklicken – weil es ihm wichtig war!
Im Interview betonte er, wie sehr er auch die härteren Songs (er nennt sie selbst „Ballerburg“-Songs) feiert – Stücke wie „Monster“, „Brot und Spiele“, „KI – 0100101101001001“ oder „Böse Geister“ bitte einfach mal anhören: da ist schwarze DNA pur drin! Sie wirken nicht wie Pflichtprogramm, sondern wie ehrliche Freude an genau dieser musikalischen Seite! Produzent Henning Verlage hat es ebenfalls im Interview mit mir bestätigt, dass es schon immer so war, dass es für den Unheilig-Sound keine Limitierungen gibt. Ich finde, es ist absolut nichts Verwerfliches daran, von seiner Musik und seiner Leidenschaft zu leben – im Gegenteil: Künstler arbeiten hart für ihren Erfolg, und wenn dieser sich einstellt, so gönne ich ihnen das aus schwärzestem Herzen. Authentizität misst sich für mich nicht daran, wie klein oder exklusiv das Publikum ist, sondern daran, ob jemand sich selbst treu bleibt. Und genau das ist mein Eindruck vom Grafen bis heute. Und wenn mir ein Track dann vielleicht doch mal zu schlageresk ist, dann skippe ich halt weiter oder lade mir nur die Songs runter, die knallen!
Medusa
Wir hoffen, Euch mit diesen beiden Texten ein etwas zum Nachdenken angeregt zu haben. Lest die Titelstory am besten selbst und macht Euch Euer eigenes Bild! Und wer dann immer noch böse auf den Grafen ist, kann an unserem Gewinnspiel teilnehmen, um ihn persönlich zum Gespräch zu treffen und ihm die Meinung zu sagen:
Unheilig „Meet & Greet“ Gewinnspiel:
Trefft den Grafen persönlich bei einem Konzert der „Glaube Liebe Monster“ Arena-Tour 2026/2027 eurer Wahl! Und sichert euch schon jetzt eine exklusive signiert Fotokarte! Die beiden Teilnehmer, welche unser Puzzle-Plakat als erste zusammengestellt bekommen und uns ein Foto mit dem vollständigen Plakat und Sonic Seducer Ausgabe 03-2026 senden, gewinnen ein persönliches Einzel-Treffen mit dem Grafen bei einem Konzert ihrer Wahl* 2026 /2027.
1. Starter-Set:
Das Starter-Set enthält das abgebildet Plakat mit den Freiflächen, welche es zu füllen gilt, sowie drei Sticker mit welchen ihr beginnen könnt die Flächen zu füllen. Außerdem ist Sonic Seducer Ausgabe 03-2026 mit großer Unheilig Titelstory enthalten.
2. Signiertes Fotokarten-Set (limitiert auf 500 Exemplare):
Das Set enthält eine exklusive Fotokarte, welche der Graf handsigniert hat und dazu 3 Sticker, mit welchen ihr das Plakat weiter vervollständigen könnt. Es kann nur pro Person ein Set bestellt werden.
3. Sticker-Set:
Das Set enthält drei Sticker in einem edlen schwarzen Umschlag mit silbern Unheilig-Logo. Von den Sticker-Sets könnt ihr so viele wie ihr möchtet bestellen, um das Plakat schnellstmöglich als einer der ersten beiden Gewinner zu füllen.
Alle Bestandteile des Gewinnspiels findet ihr, nur so lange der Vorrat reicht, HIER in unserem Unheilig Shop-Bereich!
Alle Sticker werden per Zufallsprinzip in die Sets verteilt (Random). Es kann also auch vorkommen, dass ihr gleiche Sticker erhaltet. Sende das Foto des fertig zusammengestellten Plakats + Sonic Seducer Ausgabe 03-2026 an: [email protected] Einen Einsedeschluss gibt es nicht – nur die beiden ersten Einsendungen können gewinnen. Wir halten euch auf unserem Sonic Seducer Facebook und Instagram Account über die Aktion auf dem Laufenden.
*Das Konzert-Ticket ist nicht Bestandteil des Gewinns.
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