Am 20. August 1996 veröffentlichten Type O Negative „October Rust“ – ein Album, das den Sound der New Yorker Band endgültig von der bloßen Schwere des Doom Metal in eine eigene, schwer zu kategorisierende Welt führte. Weniger aggressiv als „Bloody Kisses“, dafür melodischer, sinnlicher und von Keyboards regelrecht überwuchert.
Gewagte Ansätze
Schon die ersten Sekunden machen klar, dass Type O Negative ihre eigene Mythologie inzwischen vollständig verstanden haben. Ein Brummen, ein vermeintlich falsch angeschlossenes Kabel – „Bad Ground“. Dann die Ansage: Das Album könne man gerne kaufen, schließlich müsse die Band auch Geld verdienen. Und am Ende schließt sich der Kreis.
Der vielleicht schaurig-schönste Beweis dafür ist „Love You to Death“: sieben Minuten schleppende Gitarren, sakrale Keyboards und Peter Steeles tiefer Bariton, der Erotik und Bedrohung miteinander verschmilzt. „Be My Druidess“ und „Wolf Moon“ treiben die Mischung aus Sex, Naturmystik und schwarzem Humor noch weiter. Type O Negative nehmen ihre Gothic-Pose ernst – und machen sich gleichzeitig über sie lustig.
Mit „Green Man“ zeigt das Album seine progressive und verträumte Seite, während „My Girlfriend’s Girlfriend“ fast schon Pop ist: ein eingängiger Song über eine Dreiecksbeziehung. Gerade dieser Gegensatz ist typisch für „October Rust“.
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Type O Negative konnten gleichzeitig absurd und aufrichtig, romantisch und vulgär, schwer und überraschend zugänglich sein. Und dann ist da „Haunted“, ein über zehnminütiger Brocken aus Melancholie, Atmosphäre und Wiederholung. Zwischen all dem: Neil Youngs „Cinnamon Girl“, das Type O Negative so weit in ihren eigenen Sound ziehen, dass es beinahe wie eine weitere Eigenkomposition wirkt.
Am eindringlichsten wird es bei „Red Water (Christmas Mourning)“. Der Song über Verlust und Trauer gehört zu den verletzlichsten Momenten in Steeles Werk. Sein Vater war 1995 gestorben; die persönliche Erfahrung gibt dem ansonsten oft ironisch gebrochenen Album plötzlich eine erschreckend reale Dimension.
Niemals alt
Heute ist gerade diese Mischung die große Nachwirkung von „October Rust“. Das Album wurde zum Referenzpunkt für eine Form von Gothic Metal, die nicht nur düster, sondern auch sinnlich, melodisch, selbstironisch und schlüpfrig gleichermaßen sein durfte. Dreißig Jahre später klingt es deshalb erstaunlich wenig nach 1996. Es klingt nach Herbst, nach Nacht und nach Peter Steele. Nach einer Stimmung, die sich nicht überlebt.
Offizielles Musikvideo zu „Love Me To Death“
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www.typeonegative.net
(TL)







