Review
Artist: SUICIDE COMMANDO
Titel: Collective Suicide Vol. 1 & 2
- Artist: SUICIDE COMMANDO
- Label/Vetrieb: Out of Line
Anlässlich des 40. Jahrestags seiner Entscheidung, fortan als Suicide Commando sein musikalisches Unwesen zu treiben, gibt Johan Van Roy nicht nur einen, sondern gleich 24 aus: 24 Tracks aus sämtlichen Schaffensphasen, bevorzugt auf rotem beziehungsweise gelbem Vinyl. Dass er es dabei nicht bei einer simplen Auswahl von längst in den Kanon des Horror-Aggro und der Industrial-EBM eingegangenen Versionen belässt, ist Ehrensache. So erfahren Kronjuwelen der Marke „Come Down With Me“, „Jesus Freak“ oder „Death Lies Waiting“ ein aktuellen Produktionsmaßstäben entsprechendes Facelift. Und mit „Control & Consent“ tummelt sich sogar ein brandneuer Track auf der Geburtstagsparty. Überhaupt bietet „Collective Suicide“ jede Menge Anreize, die selbst dem Komplettisten Beine macht. Überschneidungen, etwa zu „Mindstrip Redux“, ergeben sich keine. Tatsächlich bleiben nach einer Überprüfung des bisherigen Outputs von Suicide Commando sogar vier Stücke über, die sich keiner Veröffentlichung direkt zuordnen lassen. Diese, so viel sei an dieser Stelle verraten, befinden sich vornehmlich auf „Vol. 1“ und gewähren spannende Einblicke in die Geburtsstunden des Genre-Flaggschiffs, als noch nicht klar abzusehen war, wohin die Reise gehen sollte. Wer sie vernimmt, unternimmt eine Zeitreise, die nachempfinden lässt, wie elektrisch fundierter Finstersound einst zum Faszinosum wurde. Ein Titel wie „Disposable Paradise“ markiert in diesem Zusammenhang eine historisch bedeutsame Wende hin zu einer flächig aufgerüsteten Tanzbarkeit, die sich für die kommenden Jahrzehnte als absolut tragfahig erweisen sollte. Gerade weil die Tracklist auf einige der beliebtesten Hits verzichtet, erweist sich diese Zusammenstellung als ausgesprochen wertvoll, da sie einige der für Johan Van Roy besonders bedeutsamen Wegmarken beinhaltet, die in der bisherigen Wahrnehmung vielleicht nicht den Stellenwert eingenommen haben, die ihnen zusteht. Oder auch weil sie, wie „Until We Die“ und „Severed Head“, zuvor allenfalls noch zu Sammlerpreisen erhältlich waren.
Stephan Wolf
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