Review

Artist: Strapping Young Lad

Titel: S.Y.L.

Es sah ja wirklich fast so aus, als hätte Devin Townsend seinem einstmaligen musikalischen Aushängeschild Strapping Young Lad dauerhaft den Rücken zugekehrt. Zwar hat er seit „City“ eine ganze Reihe überdurchschnittlich guter Scheiben veröffentlicht, die jedoch allesamt nicht an S.Y.L. anknüpfen wollten und als Konsequenz daraus unter seinem eigenen Namen erschienen sind. Daß wir es nun nach sechs Jahren Funkstille ÔÇô von Konzerten abgesehen ÔÇô wieder mit einer neuen Strapping Young Lad zu tun bekommen, scheint zu bedeuten, daß die Zeit reif dafür gewesen sein muß. Dafür spricht der deutliche Wandel, den das nicht zufällig einen Neubeginn suggerierend „S.Y.L.“ betitelte Album im Vergleich zum Vorgänger dokumentiert. Erst mal: „S.Y.L.“ ist Metal, und zwar am ehesten zu vergleichen mit dem coolen, harten Metal, den die Staaten in den späten Achtzigern hervorgebracht haben. Zweitens: Wo „City“ noch mehr ein Soloalbum war, ist „S.Y.L.“ die Arbeit einer eingespielten Band. Die Technik wurde demzufolge drastisch zurückgeschraubt und dient vorwiegend dazu, den Livesound von Townsends Combo einzufangen, der ungleich rauher ist als der Industrial Metal-Alptraum, der „City“ war. Zum dritten ist „S.Y.L.“ ein Zeugnis einer gänzlich anderen Haltung als das zerstörerische ÔÇÖ97er Album. Wo „City“ vor lauter introvertierter Aggression teilweise klaustrophobisch wirkte, fällt „S.Y.L.“ vom ersten Moment wie ein Tsunami über einen her, wie eine akustische Kriegserklärung. Wer dachte, Townsend würde die technischen Aspekte von „City“ weiter herausarbeiten, liegt falsch ÔÇô vielmehr hat er die Essenz seines Soloschaffens hier einfließen lassen und mit einem Urknall das Metal-Universum neu entstehen lassen. Der kleine Mann mit der Halbglatze entfacht hymnische, monumentale Soundgewitter, die den New Metal Hype der letzen Jahre keines Blickes würdigen. Men making Metal, oder: Der aufrechte, junge Kerl wird erwachsen.

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