Review

Artist: NKVD

Titel: Prolog

Daß EBM und Electro für mich spätestens in den frühen 90ern im großen und ganzen jegliche Relevanz verloren hatten, dürfte niemanden allzu sehr überraschen. Trotzdem komme ich nicht umhin, nun mein Gefallen an einem mir bislang völlig unbekannten Vertreter dieses Genres kundzutun. Die acht Tracks auf “Prolog” scheinen wie ein lang vorbereiteter Schlag mitten ins Gesicht. “Timescape” als instrumentaler Auftake ist noch relativ unspektakulär. “Barbarians” erhöht den Druck und setzt dabei bei noch angezogener Handbremse auf ordentliches Shouting. “Destruction” ist dann der erste Treffer mitten in die Zwölf: Der Track nagt den Sound FLAs zu “Caustic Grip” Zeiten bis aufs Skelett ab und potenziert die innewohnende Aggressivität um ein Vielfaches. “Psykoz (Part II)” schlägt in eine ähnlich Kerbe, während NKVD bei “Raw” und “Psykoz (Part I)” Mut zu ausrufenden Songstrukturen und ruhigen Momenten beweisen. Daß auf “Prolog” zudem alles weggelassen wird, was mir Electro letztlich völlig vergällt hat, steht außer Frage: Keine dümmlichen Mitsingmelodien (das VNV Nation Syndrom), keine Dancefloor-Beats a la Covenant, keine albernen Film-Samples oder ähnliches trübt meinen durch und durch positiven Gesamteindruck. Elektronisch musizierende Skandinavier dieser Welt – nehmt euch ein Beispiel an NKVD. Daß diese nicht auf einem der typischen Electro-Labels wie Dependent oder Zoth Ommog veröffentlichen, spricht übrigens nicht unbedingt für die Brikett-Kopf-Fraktion, aber sehr für NKVD, da man bei Hands in Sachen Artwork ein gewohnt sicheres Händchen bewies.

Veröffentlicht: 2000

2000 findest du Hier finest Sonic-Secucer Ausgaben aus dem Jahr 2000

Produkte