(Alfa Matrix/Soulfood)
Tausend Stile schon verschlissen, Gruppen kommen, Gruppen gehen – viel ist passiert in der Elektronik während der letzten 25 Jahre. Future-Pop, Techno Body Music, Hellectro, Goa-Trance, Big Beat – da hat man als Musiker auf die Länge gesehen nur eine Chance, wenn man sich treu bleibt. Wie Len Lemeire, der dieser Tage nicht nur auf ein Vierteljahrhundert Implant zurückblicken kann, sondern mit „Oxynoxe-X“ auch das zehnte Album präsentiert. Jubiläen, die gefeiert werden müssen – Lemeire und sein Partner Jan D’Hooghe tun das mit einem Longplayer, der sich musikalisch aufs Wesentliche konzentriert und stets auf den Punkt sticht. Knatternde Oldschool-EBM gibt auf der Vorabsingle eine ähnliche Linie wie fürs gemeinsame Projekt 32Crash mit Front 242s Jean-Luc de Meyer vor, der knackige DAF-Muskelfunk von „Coup De Foudre“ geht sogar noch etwas weiter in der Electro-Geschichte zurück, wobei mit Dennis Schober von Solitary Experiments ein berufener Kooperationspartner bereitsteht. Er soll diesmal der einzige bleiben – ansonsten sorgen „I’m Not Your Enemy“ oder „The End“ dank Uptempo und wohlig verzerrten Vocals in Blitzgeschwindigkeit für gefüllte Tanzflächen, „Le Pouvoir“ verweist mit sehniger Sequenz auf den A Split Second-Klassiker „Flesh“. Und das sind nur die offensichtlichsten Highlights eines souveränen EBM-Bolzens. Auf die nächsten 25 beziehungsweise zehn – Jahre und Alben.
Thomas Pilgrim
Veröffentlicht: 11/2017