Review
Artist: Hackedepicciotto
Titel: „Lichtung“
- Artist: Hackedepicciotto
- Label/Vetrieb: Mute Records
Alexander Hacke bleibt uns auch nach seinem Abschied von den Einstürzenden Neubauten erhalten. Dafür sorgt allein schon seine bessere Hälfte, Danielle de Picciotto. Nach 14 langen Jahren des Nomadentums haben sich die beiden inzwischen wieder vor den Toren Berlins gefestigt und befinden sich dennoch weiterhin auf einer gemeinsamen Reise, an der sie uns nach wie vor teilhaben lassen. Dabei will es den Anschein haben, als könne man ihrem ersten in der alt-neuen Heimat entstandenen Album durchaus anhören, das es im Vertrauen auf die Vorzüge der Sesshaftigkeit heraus entstanden ist. Denn zeichneten ihre bisherigen Veröffentlichungen stets eine Aura des Flüchtigen, der stochastischen Hingabe an den Moment, aus, so erweckt „Lichtung” den Eindruck, als zögen die beiden Freigeister eine akustisch immens verdichtete Zwischenbilanz ihrer überaus ereignisreichen Existenz. Anhand reichhaltig ausgestatteter Soundscapes, die mit einem atemberaubend hohen Maß an innerer Ergriffenheit genau diese auch beim bloßen Hören auslösen. So entstehen Szenarien aus ästhetisch verifizierbarer Wehmut, deren mitunter tragisch anmutende Anwandlungen gelegentlich einen Animismus ans Tote heraufbeschwören, der im Umkehrschluss nur als eine nahezu unbedingte Lebensfreude zu egalisieren ist. Die kompositorisch neuartige Strenge im Hause Hackedepicciotto ebnet also verschlungene Pfade ins Ungewisse, deren mögliche Verläufe von kristallin gefassten Klangbildern verheißungsvoll illuminiert werden. Ganz so, als ob die beiden notorisch Suchenden ihre magische Lebenserfahrung nun in Ruhe einmal auf das noch Ausstehende gerichtet hätten, um so einen Aus- und Abgleich zwischen ätherischer Verheißung und profaner Sterblichkeit herbeizuführen. Ob mit melodisch klassisch anmutenden Themen („Zeitenwende”) oder zartem Shoegaze-Drone („Einig”): Letztlich ist es unerheblich, zu welchen transformativ wirksamen Mitteln gegriffen wird, denn ihre Auswahl ist jederzeit über jeglichen Zweifel erhaben, so auch die „Lichtung” an sich keinen Verrat an dem sie umgebenden Dickicht begeht.
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