Review
Artist: Fen
Titel: Elemental Part One: Mourning Earth
- Artist: Fen
- Label/Vetrieb: Prophecy Productions
Bisweilen fiel es schwer, der Faszination der dem heimischen Hochmoor verfallenen Nordbriten im Post-Black-Metal-Outfit direkt auf ihren schlackig schwärenden Leim zu gehen. Denn Fen zielten nie auf etwas ab, das sich entweder als mehrheitsfähige Winke aus Eingängigkeit oder als geheimbündischen Prog-Ruch hätte schimpfen lassen können. Der glückende Konsum von Fen war stets mit der Bereitschaft zur Unvoreingenommenheit gegenüber Konventionsverweigerung verbunden. Mit dem Auftakt zur neuen Werkreihe könnte sich die Gewichtung innerhalb dieses Spannungsverhältnisses zwischen Gefallen und Anforderung ein ganz klein wenig ändern. Denn läuten zu Beginn („Glacier“) nicht gleich die wavig-verführerischen Gitarren-Glöcklein à la The Chameleons?! Oh doch! Und wie sie dann nach zig erzenen Verquerungen zum bitteren Ende hin wieder aufgegriffen werden, ist schlicht derart famos, dass sich bares Erstaunen um die bittere Erkenntnis säumt: Die meinen das ernst! Das Filetieren von Versatzstücken, die vielfach wie trunken anmutende Shantys im Dickicht wild wuchernder Wüsten taumeln, entspricht der konzeptionellen Idee, die uns Wesen selbst mit ihrer manchmal trübselig stimmenden Natur (Stichwort: „Moor“) zu beminnen scheint, gibt einen Scheißdreck um uns! Kognitives Einvernehmen mit der Indifferenz der Landschaft gegenüber der menschlichen Hybris: Hans Werner Henze hätte seine Freude daran, Jesus Christus eventuell weniger. Wenn wie bei „Abyssal Plain“ (der Name sagt fast alles),mehrstimmig verballhornte Kyrien selbst die Bee Gees schamhaft erblassen lassen, anschließend mit Hard-Rock-Allüren in Judas-Priest-Manier sämtliche Lücken wieder mit heiligem Geist zugekittet werden, ergibt sich ein sowohl klares wie auch diffuses Gesamtbild (das sich wohl erst, nota bene, mit den nachfolgenden Teilen, hoffentlich nicht gänzlich, erschließen wird): Alles Romantisieren nutzt nix, wenn die Naturgewalten loslegen. Wenn sie es in Form von zurückgehaltenen, im Prinzip rockigen Schmeichlern („Barrow“) tun, mag sich eine Beunruhigung in der Art von António Guterres regen. Doch bei den bröckelnd massiven Riffs der Rausschmeißers wird auch er verstehen, dass er seine UNO-Karten besser im Hinterhalt einer generell eher missverstandenen Kunstform hält, der Fen hier nicht nur zu huldigen, sondern auch, Ton für Ton, zu erweitern wissen. Wer nach wie vor darauf pocht und plädiert, dass Jazz das einzig Wahre sein sollte, der blicke auf die ihm umgebenden Höhen, Tiefen und Wälder: „Stimmt so, den Bonus des letzten Akkords können sie behalten.“
Stephan Wolf
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