Review
Artist: Chat Pile
Titel: Who Loves The Sun
- Artist: Chat Pile
- Label/Vetrieb: The Flenser
Das neben einer weiteren Heimatstadt-Ansicht auch ihr drittes Album zierende Bandnamen-Lettering nach Black- und Death-Metal-Manier deutet an: Die vier Noiserocker aus Oklahoma City verfügen trotz ihrer realistischen Weltsicht über Humor. Auch von der mehrdeutigen Art, wie ein Songtitel wie „PEN I S MALL“ nur unterstreicht. Ferner erwiesen sie sich als gewiefte Textautoren, die ihren Themen Wendungen abgewinnen, die in puncto Sprachwitz weit über die Machart konventioneller Jeremiaden hinausgehen. Aber nun zur Musik, wiewohl auch die das Zeug dazu hat, Chat Pile vom Rest abzuheben. Denn ihre auf „Who Loves The Sun“ weiter verfestigte Querung zwischen Sludge und Post-Hardcore verfängt weniger mit dem Streben nach größtmöglichen Primär-Effekten, als vielmehr mit einer geradezu spitzbübisch ziselierten Bodenständigkeit, die nur in Notfällen (von denen es auf diesem Album durchaus eine ganze Menge zu bestaunen gibt) einem in Industrial-Gefilde driftenden Auf-die-Pauke-Hauen aufweicht. Will sagen: Man könnte sich Chat Pile auch als eine zünftige Southern-Rock-Kapelle vorstellen, wenngleich sie diesem gewagten Verdacht freilich kaum Vorschub leisten. Aber dennoch bleibt festzuhalten, dass insbesondere Schleicher der Marke „Christabel ’26“ (noch so ein hübscher Songtitel) das Zeug dazu haben, auch eine Klientel anzusprechen, die sich aus eher gemäßigten Rockisten rekrutiert. Oder eben auch aus findigen Indierock-Experten, die nachvollziehen können, warum sich die Band selbst dazu bekennt, auf „Who Loves The Sun“ etliche XTC(!)-Vibes integriert zu haben. Dem steht dann wieder ein fieser Finsterling von Format entgegen („Family Funeral“), bei dem ‒ gut hörbar ‒ Hayden Pedigo („I’ll Be Waving As You Drive Away“) seine flink agierenden Finger mit im sinistren Spiel hat. Mit diesem Album dürften Chat Pile ihren Status als Kritikerlieblinge absichern – dass sie es dabei gelegentlich an Punch oder packenden Überraschungsmomenten vermissen lassen, sei dorthin gestellt, wo die Sonne nicht scheint.
Stephan Wolf
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