Review

Artist: BETHLEHEM

Titel: Schatten aus der Alexander Welt

Wer diese verdammten Sickos mit dem täuschend frommen Namen auch nur annähernd kennt, weiß schon jetzt, daß auch “Schatten aus der Alexander Welt” garantiert nichts für schwache Nerven oder sensible Romantiker ist. Und so ist es. Dieses Doppelalbum ist erneut ein psychotisches, abstraktes Sammelsurium, ein nicht endend wollender Blutsturz an morbiden, kranken und auch stellenweise wahnsinnigen musikalisch-lyrischen Ergüssen seiner geistigen Ziehväter. Bethlehem haben den auf den letzten Tonträgern eingeschlagenen kreativen Weg hierauf erstmals in Vollendung beschritten. Diese jeden Psychiater zur Selbsttherapie treibende Scheibe ist ein schizophrenes Gesamtkunstwerk an sich, das sich jedweder anmaßenden und unbedarften Kritik hartnäckig zu entziehen weiß. Düsterer, beklemmender Dark-Metal mit starker avantgardistischer Ausprägung steht auf dem Plan, befremdliche und Angst erregende Songtitel wie “Somnambulismus in Maschinenzimmer 30”, “Mein Kuß erstickt im Imperativ”, “Maschinensohn” und “Tod einer Dieselkatze”, aber auch “Aus dunkler Ritze fruchtigÔÇÖ Wahn” führen allein durch ihre plakative äußerliche Groteske schon zu unstillbarer Neugier auf den textlichen Inhalt. Die Band spielt wieder in der klassischen Fünferbesetzung, Bethlehem erreichen durch eine Vielzahl an experimentellen Passagen und die Verwendung vieler im Rezitativ vorgetragener Zwischenstücke mit krankhafter Prosa eine schier nicht mehr zu steigernde Ausdruckstiefe und Wiedergabe menschlicher Psychosen. Ob die Jungs nun wirklich unheilbar krank oder sehr gesund und einfach nur noch genial sind, muß jeder selber für sich entscheiden. Eines ist sicher: Unter welcher Fahne sich die meisten Irren einfinden, dort wird von der Gesellschaft auch das Banner “normal” verhängt. Und “normal” sind Bethlehem noch nie gewesen…

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