Review

Artist: Atonalist feat

Titel: Atonalism

Atonalist feat. Gavin Friday „Atonalism“

(Audiotrauma)
Eins vorweg: Mit Atonalität hat das, was Multi-Instrumentalist Renaud-Gabriel Pion als Hauptverantwortlicher auf diesem mit Stilvorgaben Brennball spielenden Album treibt, so gut wie nichts zu schaffen. Vor allem, wenn die profane Übersetzung des Begriffs der Atonalität pejorativ auf „Missklang“ hinausläuft. Doch lassen wir die hehre Musikwissenschaft auf sich beruhen. Widmen wir uns lieber einem atmosphärisch weit ausholenden Werk, auf dem sich elegante Electronica und lauernder Free Dark Jazz erstaunlich organisch mit grantigen No Wave-Attitüden oder mit dem orientalisch getünchten Reiz nicht-temperierter Tonarten verbindet. Heftige Noise-Ausbrüche komplettieren ein Potpourri, an dem man sich gerne festbeißt. Doch will es bei genauerer Betrachtung scheinen, als vermöge es „Atonalism“, einen heterogen autochthon generierten Magnetismus auszulösen, dem man sich schlicht nicht entziehen kann. Konzept und Umsetzung erweisen sich letztlich als viel zu verführerisch, um das Gefallen der Freiwilligkeit zuschlagen zu können. Die (sprech-) gesangliche Mitwirkung des seit seinen Zeiten mit den Virgin Prunes legendären Gavin Friday trägt selbstredend zum eindringlich magischen Effekt eines Albums bei, dessen programmatisch beispielhaftester Track zugleich den schönsten Namen trägt: „Gottesanbeterin“.
Stephan Wolf

Veröffentlicht: 07/2017

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