CD-Rezension / Review / Kritik

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yesterday shop parodos


Yesterday Shop
„Parodos“
(Trickser Tonträger/Broken Silence)
Griechische Mythologie war in dieser Ausgabe schon bei Thomas Azier ein Thema, mit Yesterday Shop ist nun die griechische Tragödie dran. Allerdings lediglich in Bezug auf den Albumtitel, denn „Parodos“ lautet der Fachbegriff für den Seiteneingang des antiken Theaters, durch den der Chor die Bühne betritt. Das nur zur Info für den offenbar ahnungslosen Boulevard-Blogger, der Yesterday Shop einmal als ,Independent Boygroupʼ bezeichnete. Das Quintett hat mehr drauf als schnuckeliges Aussehen und unverbindlichen Gitarrenpop. Schon den ersten beiden Tracks „Two Beasts“ und „Trees & Games“ schieben die Berliner mehrstimmigen Gesang, flauschige Keyboards und erhaben dramatische Melodien in die Szenerie und setzen erst einmal eine Duftmarke, um die sie etablierte Kollegen wie Slut oder Naked Lunch durchaus beneiden dürften. Hat man sich allmählich auf verzwickte 35 Minuten eingestellt, verblüfft „Parodos“ plötzlich mit luftigen Indie-Rockern wie „The Water“ oder „Ghost“, zu denen man auch einmal unbeschwert durch die Stube hüpfen kann, wenn gerade keine Boygroup in der Nähe ist. Unbekümmert schlagen Yesterday Shop einen Haken nach dem anderen, kontrastieren Schwermut mit Pop-Appeal und lösen so spielerisch das Versprechen ihres selbstbetitelten Debüts von 2012 ein. Ins Theater kann man später ja immer noch gehen.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2014.

Monday the 16th.
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