CD-Rezension / Review / Kritik

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zoot woman star climbing

Zoot Woman
„Star Climbing“
(Embassy One/Warner)
Bei Musikern, die auch als viel beschäftigte Produzenten tätig sind, kann man sich zuweilen schon fragen, ob sie zum Zeitpunkt einer Aufnahme überhaupt wissen, wo sie gerade sind – zu oft hört sich alles, wenn es einmal durch ihre Hände gegangen ist, zusehends gleich an. Stuart Price macht diesen Fehler nicht: Der Engländer kann sehr wohl unterscheiden, ob er Madonna, The Killers oder Pet Shop Boys auf Chartspitze trimmt oder mit seiner eigenen Band Zoot Woman musiziert. Auch auf deren viertem Album, das mit fünf Jahren allerdings fast genauso viel Zeit in Anspruch genommen hat wie der Vorgänger „Things Are What They Used To Be“. Klar, dass das Trio da nichts dem Zufall überlässt: Der Reiz dieser mit eineinhalb Beinen in den Achtzigern verwurzelten, glamourös elektronischen Tracks liegt auch auf „Star Climbing“ im Kontrast zwischen dezenter Monotonie, minimalistischen Melodien und Johnny Blakes einfühlsamem Gesang. Da weiß man oft gar nicht, wie einem geschieht, wenn man sich plötzlich auf der Tanzfläche wiederfindet, denn schon bei den Vorabstücken „Don’t Tear Yourself Apart“ und „The Stars Are Bright“ verschwimmen die Grenzen zwischen Pop und Dance ein ums andere Mal. Auch der strahlende Synthie-Popper „Coming Up For Air“ und das mit donnernder Basslinie wuchernde „Chemistry“ sorgen für jede Menge Bewegung, bis „Star Climbing“ zum Vocoder-Seufzer „Waterfall Into The Fire“ schließlich in sich zusammensackt. Genau wie der freudig erschöpfte Hörer – doch nach 45 Minuten tollen Songs und zwingenden Rhythmen wird das ja wohl erlaubt sein.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2014.

Friday the 20th.
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