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CD-Rezension / Review / Kritik

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teho teardo blixa bargeld nerissimo

Teho Teardo & Blixa Bargeld
„Nerissimo“
(Specula Records/Rough Trade)
Schon lange sucht Blixa Bargeld sein Glück nicht mehr nur bei den Neubauten. Als Gast und mit neuen Projekten hat er in den letzten Jahren vermutlich mehr Zeit im Studio verbracht als mit der Band, mit der er berühmt wurde. Längst ist auch der musikalische Kosmos, in dem er sich bewegt, nicht mehr von dröhnenden Bohrmaschinen und schepperndem Blech geprägt. Vielmehr hat sich Bargeld seit der Jahrtausendwende als nachdenklicher Lyriker im Umfeld von Kammerpop oder gar postrockendem Avantgarde-Jazz (KiKu) etabliert. Offenbar langfristiger ist die Zusammenarbeit mit dem italienischen Soundtrack-Komponisten Teho Teardo angelegt, mit dem Bargeld jetzt das zweite Album eingespielt hat. Mussten sich die beiden auf „Still Smiling“ noch finden, so ist „Nerissimo“ so perfekt aufeinander abgestimmt, so sehr aus einem Guss, als seien die beiden ein altes Ehepaar. Eines, das sich immer noch etwas zu sagen hat, denn Bargelds Stimme und seine Texte harmonieren nicht nur mit der kräftigen Bassklarinette und den Streichern, sondern ergänzen sich gegenseitig. Das schwermütige und doch hoffnungsvolle „Animelle“, das surreale Mini-Hörspiel über „Ulgæ“, der Königin eines Landes in einer Petrischale, oder „Nerissimo“, das auf Englisch und Italienisch das Album umklammert, zeugen von einer enormen Spannbreite, deren gemeinsame Nenner höchstens die Balladen der Neubauten, aber vor allem Bargelds Stimme sind beziehungsweise ist. Mit Teardo hat er nicht nur einen versierten Mitstreiter gefunden, sondern gleichzeitig einen musikalischen Partner, der ihm vielleicht mehr Freiräume einräumt, als dies bei Einstürzenden Neubauten möglich ist.
Torsten Schäfer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2016.

Monday the 18th.
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