CD-Rezension / Review / Kritik

Print

revere my mirror your target

Revere
„My Mirror / Your Target“
(V2 Benelux/H’Art)
Drama, Baby! Revere, die siebenköpfige Band, deren Mitglieder Kopf Stephen Ellis im gesamten Vereinigten Königreich zusammengesucht hat, sind ein Fall für die ganz große Geste. Schon das Debüt „Hey! Selim“ ergänzte Indie-Rock britischer Prägung um weit ausholendes Vaudeville und Elemente aus Klezmer und schmachtendem Kammerpop. „My Mirror / Your Target“ trifft nun die Mitte zwischen orchestralem Bombast und einsamen Klavierballaden wie dem verzagten „What Am I If I’m Not Even Dust?“. Man muss unweigerlich an Ensembles wie Fanfarlo oder My Heart Belongs To Cecilia Winter denken, denen Revere näher stehen als der handelsüblichen Gitarrenband von der Insel, wenn das Septett verzweifelt die Welt umarmt und Geige, Cello und Celesta die hingebungsvollen Songs mit brillanter Epik fluten. Ein allesverschlingender Sog aus banger Selbstreflexion und musikalischer Flucht nach vorne, bei der Revere mit dem Uptempo von „I Won’t Blame You“ und „Keep This Channel Open“ so gut vom Start wegkommen, dass man gerüstet ist für die großen und kleinen emotionalen Katastrophen, die Ellis und seine Band in der Folge durchleiden. Das vom ersten Album herübergerettete, hier noch größer auftrumpfende Prachtstück „We Won’t Be Here Tomorrow“ also bitte nicht zu wörtlich nehmen: Wenn die Pop-Welt Geschmack hat, sind Revere vielleicht morgen schon Stars. Mit „My Mirror / Your Target“ hätten sie es verdient.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2014.

Sunday the 20th.
2017 Sonic Seducer Magazin

©