CD-Rezension / Review / Kritik

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Paranoid Never Too Late CD Cover

Paranoid „Never Too Late“

(Infacted/Soulfood)
Von der puristischen EBM des 1991er Debüts „Strain” rückte das ein Jahr darauf veröffentlichte „Sweat Blood & Tears“ ein Stück ab. Mehr Melodie und etwas softere Sounds, zumindest bei einem Drittel der Songs, standen dem in dieser Form noch unverkennbaren Aachener Duo gut zu Gesicht. Nur absolute Hardliner murrten leise. Auch dieses Album wird seit Jahren nicht mehr aufgelegt, weshalb die Wiederveröffentlichung im Kontext der Infacted Klassiker längst überfällig war. Wie schon „I Still Dominate You“, dass die Frühphase von Paranoid zusammenfasste und um Bonustracks erweiterte, ist „Never Too Late“, in dessen Zentrum das besagte zweite Album steht, soundtechnisch extrem aufpoliert worden. Die Tracks (auch die synth-poppigen) ballern wie Sau, und die B-Seiten der Auskopplungen, ein unveröffentlichter Mix von „Warlike“ sowie drei Livetracks wurden noch draufgelegt. Wem Paranoid kein Begriff sein sollte, schließlich löste man sich vor mehr als 20 Jahren auf: Für den Vollkontakt mit deutscher EBM-Geschichte ist es nie zu spät.
Jörn Karstedt

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 12/2016.