CD-Rezension / Review / Kritik

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la roux trouble in paradise

La Roux
„Trouble In Paradise“
(Polydor/Universal)
Outet sich Elly Jackson als Bowie-Verehrerin? Outfit, Style und Artwork legen nahe, dass sich die junge Britin am Thin White Duke-Look der späteren Siebziger orientierte. Erklingen die ersten Töne ihrer zweiten Scheibe, scheint alles klar. „Let’s Dance“ heißt es bei La Roux nach fünf nicht problemlos verlaufenen Jahren. Der enorme Erfolg des selbstbetitelten Debüts und der Single „Bulletproof“ mitsamt aller Aufregung um ihre Person mussten verpackt, Trennungen überwunden und die Stimme wiedergefunden werden. Denn: eines ihrer Markenzeichen, das Falsett, beherrschte sie nicht mehr. Alles wieder gut? Offenbar. Der Gesang glänzt bis in die höchsten Töne, die Melodien strahlen, jeder Song ist ein potentieller Singlehit. Dabei kann nur bedingt von einer direkten Fortführung des stark 80er-geprägten Synthpop-Sounds die Rede sein. Geerdeter und organischer ist der Grundtenor, rhythmische Anleihen an Reggae und Disco sind ebenso auszumachen wie ein Basslauf mit EBM-Drive oder hinreißende Fragilität in den ruhigen Passagen. Die Unschuld des Debüts versucht die Multiinstrumentalistin abzuschütteln, indem sie sich lyrisch gereift und expliziter gibt, fraulich, bis zu einem bestimmten Grad. Sie brauchte ihre Zeit, doch schließlich ist „Trouble In Paradise“ die perfekte Sommerplatte geworden.
Jörn Karstedt

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2014.

Thursday the 19th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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