CD-Rezension / Review / Kritik

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Maerzfeld Ungleich CD Cover

Maerzfeld „Ungleich“

(Südpolmusic/Soulfood)
„Ungleich“ nur als ein weiteres Steinchen im Mosaik der Neuen Deutschen Härte zu bezeichnen, täte dem neuen Album der Franken Unrecht. Synthetische Melodiefäden verfangen sich in schneidenden E-Gitarren-Riffs und brachialem Unterfutter und fluten die Gehörgänge: „Ungleich“ ist NDH mit elektronischem Pulsschlag. Denn Maerzfeld hat die stoischen Scheuklappen des Genres abgelegt und klingt frischer, leichter und musikalisch wesentlich verspielter und experimentierfreudiger als auf den bisherigen Alben. Davon zeugen nicht nur das melodisch-elektrische Intro von „Zweifel“ oder die ehrliche Ballade „Du fehlst“, sondern auch Ohrwürmer wie „Meine Lügen kannst du glauben“, dessen eingängiger, fast fröhlicher Refrain im Kontrast zur eigentlichen Botschaft des Titels steht. Es ist jedoch ein anderer Song, der sich mir letzten Endes nachhaltig ins Gedächtnis brennt: Mit dem angedeuteten Chor im Hintergrund und dem folkloristischen Intro gipfelt das frostige Schaudern bei „Stalingrad“ in eine bleibende Gänsehaut: „Ungleich“ ist alles andere als seichte Musik zur Unterhaltung. Es ist ein Werk, das mitreißt, erschüttert, berührt.
Leoni Dowidat

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 12/2017.
Sunday the 22nd.
2017 Sonic Seducer Magazin

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