CD-Rezension / Review / Kritik

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thomas körner tiento de la luz

Thomas Köner
„Tiento De La Luz“
(Denovali/Cargo)
Nach seinem „Tiento De Las Neves“ greift Thomas Köner erneut auf die frühbarocke Kompositionsform iberischen Ursprungs zurück, die sich aufgrund ihrer zurückhaltenden Notation als Ausgangsbasis für einen ambienten Flow in besonderer Weise anbietet. Doch während der Vorgänger in seiner Entsprechung zu (ant-)arktischen Eislandschaften die Ruhe selbst geblieben war, überschlagen sich beim „Tiento De La Luz“ die Ereignisse. Electronics, Piano, Gambe und Percussion verführen mit überraschend großzügig ausgestatteten Texturen zu einer geistig-mentalen Auseinandersetzung mit dem Wesen von Schein und Sein, mit der Interdependenz von Licht und Schatten und mit den Bedingungen, unter denen allein das Phänomen der Resonanz genügt, um Musik in ihrer reinsten Form erfahrbar zu machen. Aber dennoch, und das soll dem Forschungsgegenstand des Thomas Köner keinen Abbruch tun, lässt sein „Tiento De La Luz“ eine entspannte Selbstversenkung - auch ohne intellektuelle Leistung oder Abstraktion - sozusagen barrierefrei zu. Denn das Offenbare vermittelt traumhaft leicht zwischen Präsenz und Absenz, wenn jeder einzelne Klang zum Faszinosum und somit zur Stimulanz wird. Musik für den geglückten Tag, 24/7.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2016.