CD-Rezension / Review / Kritik

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kammerflimmer kollektief dessarroi



Kammerflimmer Kollektief
„Désarroi“
(Staubgold/Indigo)
Das kleine Kollektiv mit der ungewöhnlichen Schreibweise bleibt auch auf seinem zehnten Album alles andere als vorhersehbar. Fest gesetzt sind nur die Fragezeichen, die sich nach dem ersten Hören hinter viele der akustischen Eindrücke setzen – selbst wenn man sich nach den bisherigen neun Alben damit abgefunden hat, dass sich das Trio mit sanfter Gewalt dagegen sträubt, in eine der Schubladen Improv, Elektronik, Jazz und moderne Klassik einsortiert zu werden. Auf „Désarroi“ verwandeln sich improvisierte Instrumentenduelle urplötzlich in sanfte Pop-Songs mit Nico-Nachwehen, in denen ganze Batterien von Ledersofas zu knarzen scheinen. Aus Lo-Fi-Videospielmusik generiert sich psychedelischer Dachboden-Jazz, der unvermittelt zu schwingen beginnt. Dub, Schwedenrock und osteuropäische Folklore werfen ebenfalls kurze Blicke ins Studio und wenn die alte Punk-Hymne „Zurück zum Beton“ von S.Y.P.H. betont lieblich interpretiert wird, ist die namensgebende Desorientierung vollends gelungen.
Sascha Bertoncin

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2015.

Thursday the 19th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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