CD-Rezension / Review / Kritik

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Five The Hierophant Over Phlegethon CD Cover

Five The Hierophant  „Over Phlegethon“

(Karisma/Dark Essence/Soulfood)
Ein Riff wie jenes, das „Vampire“, eröffnet, hat nichts mit Black Metal zu tun. Und doch sind schwarze Teufeleien im verdoomten Kosmos des (abgesehen von einigen Sprachsamples) instrumentalen zweiten Langspielers dieser drei Briten unschwer auszumachen. Was sie und ihr ins Horn, genauer ins jazzige Saxophon stoßender Kollege erschaffen, kommt dem Gefühl, in Zeitlupe zwischen überdimensionalen Mühlrädern zerrieben zu werden, ziemlich nahe. Spätestens in „Seafahrer“ brechen alle Dämme, die das abgrundtief psychedelische und an den Nerven zerrende Klangkonglomerat bis dahin im Zaum hielten. Zeit, nach Fluchtwegen Ausschau zu halten oder sich kopfüber mitten hineinzustürzen in den Strudel dieser metallisch angehauchten Kakophonie. Dass man nach fünf Minuten von „Der Geist, der stets verneint“ regelrecht froh ist, wenn die Band die Gitarre ansetzt und mit monotonen Akkordattacken die Schädeldecke wegfräst, spricht Bände: Ein reines Vergnügen ist die Fahrt über den Phlegethon nicht. Wie auch? Dieser mythologische Fluss der griechischen Unterwelt besteht je nach Überlieferung aus ewig lodernden Flammen oder kochendem Blut. Da bleiben schmerzhafte Erfahrungen nicht aus. Andererseits wirkt die akustische Grenzerfahrung keineswegs unkontrolliert. Kultische Tempel-Glöckchen läuten, kurze Momente, in denen der Krach nachlässt, schaffen Raum zum Durchatmen. Dynamik ist garantiert und Erleuchtung zumindest nicht ausgeschlossen. In diesem Sinne: Gute Reise!
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 11/2017.
Wednesday the 16th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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