CD-Rezension / Review / Kritik

Print
Dagoba Black Nova CD Rezension

Dagoba „Black Nova“

(Century Media/Sony)
Metallische Perkussion erklingt. Ein Sequencer setzt ein, gefolgt von Streichersamples und Chor. Sekunden später bringt das Einstiegsriff zu „Inner Sun“ Großmutters Porzellan zum Beben. Kein Zweifel: Dagoba melden sich mit breitem Kreuz zurück. Dabei standen die Sterne nach dem Abgang gleich zweier Musiker zwischendurch eher ungünstig. In der neuen Konstellation erstrahlt der Bandkosmos nun in neuem Licht. Die „Black Nova“, die die Franzosen heraufbeschwören, ist insgesamt ein durchaus packendes Schauspiel. Die stärkere Hervorhebung elektronischer Elemente ergänzt die Weltraummetaphern der Lyrics, Samples mengen majestätische Klangfarben unter die düstere Brachialität der Modern Metal-Riffs. Woran es hier und da mangelt, ist das letzte Gran Prägnanz, das die Kompositionen fest im Hirn verankert. Vieles fesselt, solange es zu hören ist, verliert sich schon wenig später aber wieder in den Weiten des Universums. Dass es auch anders geht, zeigen Stücke wie „Lost Gravity“, das sich sowohl von den Melodiebögen als auch von der Gitarrenarbeit her stärker abhebt. Ob das Cover als Hinweis darauf zu verstehen ist, dass man mit diesem Album die Tristesse der jüngeren Vergangenheit verabschieden möchte, kann nur vermutet werden. Die Dämonen von künstlerischem Burnout und Line-up-Zerfall sind mit „Black Nova“ jedenfalls gebannt.
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2017.
Friday the 20th.
2017 Sonic Seducer Magazin

©