CD-Rezension / Review / Kritik

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Anneli Drecker Revelation For Personal Use CD Cover

Anneli Drecker „Revelation For Personal Use“

(Rune Grammofon/Cargo)
Na so was: Geir Jenssen, der als Biosphere bekannte norwegische Ambient-Musiker, begann seine Karriere in der Band Bel Canto – einigen vielleicht noch mit ihrem dream-poppigen 1992er Tanzflächenhit „Shimmering, Warm & Bright“ im Gedächtnis. Der himmlisch entschwebende Gesang stammte von Anneli Drecker, die sich inzwischen auch als Schauspielerin etabliert hat und immer mal wieder ein Soloalbum veröffentlicht. „Revelation For Personal Use“ ist ihr viertes – und eine charmante Angelegenheit zwischen balladeskem Songwritertum, klanggewordenen Naturgewalten und kleinen Pop-Dramen. Dass die Skandinavierin keineswegs in ihrer eigenen Filterblase musiziert, zeigt schon der Opener „Raindrops“, der dem reduzierten Shoegaze-Indie von The xx oder HVOB nicht unähnlich ist, während das doppelbödige „On A Road“ seine Struktur ordentlich durchrüttelt und manchmal fast die Kurve zu einem Rock-Song kriegt. Oft tut sich dieses Album aber auch die Ruhe an und puschelt die Stücke mit elegischen Pianolinien und verschwenderischen Streicherteppichen aus – als Paradebeispiel dient der eindrucksvolle Abschluss „Rays“. Durchgängig imposant ist auch die Stimme der Norwegerin, mit der sie teilweise erstaunliche Kapriolen vollführt und dennoch eher in eine Reihe mit Kari Rueslåtten und Eivør Pálsdottir gehört, als die Schrägheit von Björk oder Tanja Tagaq zu kultivieren. Acht Songs mit erhellenden Qualitäten – und das nicht nur für Dreckers persönlichen Gebrauch.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2017.